Wie Horrorfilme bildende Kunst zitieren

Die Höllenmalerei

Wie Horrorfilme bildende Kunst zitieren

 

Wie alle Diener der Kunst suchen auch Regisseure nach Inspirationen für ihre Werke. Nicht selten finden sie diese in Grafik, Zeichnung oder Malerei. Heute verfolge ich die Spuren einiger Inspirationsquellen, die dem Genre des Horrors zugutekamen.

Anfangen möchte ich mit dem wohl bekanntesten Beispiel der Horrorgeschichte: mit dem Portrait von Graf Dracula aus dem Film von Francis Ford Coppola Bram Stoker’s Dracula. Hierbei handelt es sich um eine Hommage auf Albrecht Dürers Selbstbildnis im Pelzrock.

Auf dem Gemälde bildet der Künstler sich selbst so ab, dass seine Pose für die damalige Zeit als nur für Könige oder Jesus reserviert gilt. Diese Tatsache ist wohl darauf zurückzuführen, dass Dürer den Glauben vertritt, ein Künstler sei der direkte Nachkomme Gottes. Ein ziemlich frivoler Gedanke für Anno 1500. Mit diesem Wissen im Hinterkopf erscheint das Portrait Draculas einem eindrucksvoll und blasphemisch zugleich.

In Guillermo del Toros Pans Labyrinth begegnet der Zuschauer einer furchteinflößenden, blinden Kreatur, die im Schlaf versunken an einem Tisch sitzt und deren Augäpfel auf einem Teller vor ihr ruhen. Als die Kreatur aufwacht, beißt sie zwei Feen, die sie daran hindern wollen, dem Mädchen Ofelia Schlimmes anzutun, die Köpfe ab. Diese Szene sei laut Regisseur del Toro von Francisco Goyas Bild Saturn verschling eines seiner Kinder inspiriert.

Eine überaus eindrucksvolle Umsetzung, wie ich finde.

Der Surrealist René Magritte inspiriert mit seinem Werk eine ganze Reihe von Filmemachern. Darunter William Friedkin und David Lynch.

Magrittes Bilderserie Das Reich der Lichter ist der Grund, warum die Szene im Der Exorzist (1973), in der Pater Merrin vor dem MacNells Haus steht, so ist, wie sie ist. Die Figur des Paters ähnelt dabei ungemein Magrittes anderem Werk namens Der Sohn des Mannes.

In David Lynchs Serie Twin Peaks sieht der Zuschauer so viele Hommagen, die auf Magrittes Werke zurückzuführen sind, dass es beinahe wie eine Liebeserklärung wirkt.

Die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen, nicht wahr?

 

Nicht weniger subtil kommt die Zuneigungsbekundung an holländischen Grafiker M.C. Escher in Dario Argentos Suspiria daher. Eschers berühmtes Ornament Vogel Fisch (1938) erscheint in Argentos Film als Wandtapete. Ein tolles Entdeckungsspiel für einen aufmerksamen Zuschauer.

Auch im Weltklassiker Die Reise ins Labyrinth (1986) erkennt man leicht, dass die surreal wirkenden Treppen des Labyrinths Eschers Lithografie Penrose-Treppe entspringen. Auch im Film Inception (2010) kann man Penrose-Treppen bestaunen.

In der ersten Tonverfilmung von Mary Shellys Frankenstein (1931) befindet sich eine klare Referenz zu Johann Heinrich Füsslis Nachtmahr.

Und auch eine der fürchterlichsten Monstrositäten der modernen Horrorgeschichte Alien wird von einem Giganten der bildenden Kunst H.R. Giger erschaffen. Aber auch der sogenannte Facehugger entstammt Gigers Händen.

Die Kult-Figur aus dem Teenie-Slasher Scream- Schrei! zeigt eine unübersehbare Ähnlichkeit mit Edvard Munchs Der Schrei. Die zwei könnten wahrlich Brüder sein.

 

 

 

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