Schauerfees Top Six der Filmpsychos

Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode

Schauerfees Top Six der Filmpsychos

 

Eine interessant gestaltete, charismatische Psycho-Figur ist in der Lage, so gut wie jedem Film zum Erfolg zu verhelfen. Psychos ängstigen und faszinieren uns zugleich. Vielleicht, weil sie das symbolisieren, was in jedem von uns von Geburt an vorhanden ist: unseren inneren Freak.

Gern würde ich mit dem sanftesten Psycho der Filmgeschichte anfangen: mit Seymour Parrish (One Hour Photo).

Seymour „Sy“ Perrish ist ein einsamer Mann, der in der Fotoabteilung eines Supermarktes als Fotoentwickler arbeitet. Familie Yorkin bringt seit Jahren ihre Fotos zu ihm. Sy stellt sich stets vor, ein Teil dieser Familie zu sein und fertigt des Öfteren Kopien der Fotos für sich an.

Er bemüht sich auch, so gut wie es geht, am Leben der Yorkins teilzunehmen, indem er immer wieder Gespräche mit den einzelnen Familienmitgliedern sucht.

Eines Tages fällt Sys Arbeitgeber auf, dass dieser viel mehr Bilder entwickelt, als eigentlich bestellt werden, was zu Sys Kündigung führt. Er hat nur noch wenige Tage zu arbeiten und gerät zusehends unter Druck.

An einem seiner letzten Arbeitstage kommt eine Frau an seinen Schalter und gibt Bilder zum Entwickeln ab, auf einem von denen Sy sie küssend mit dem Familienvater Yorkin entdeckt. Die heile Welt in Sys Kopf bricht dadurch zusammen. Er wird wütend und ist gewillt, Rache auszuüben.

Bei Mallory und Mickey Knox (Natural Born Killers) handelt es sich wohl um das abgedrehteste Psycho-Pärchen des Kinos.

In einer eindrucksvollen Bildsprache wird die Geschichte von Bonnie und Clyde aus den Neunzigern erzählt. Mallory ist ein schwer traumatisiertes Mädchen, das von ihrem Vater sexuell missbraucht wird. Mickey ist ein Fleischergeselle, als Kind ebenso misshandelt, der sich in Mallory verliebt.

Zusammen bringen sie zuerst Mallorys Eltern um und ziehen dann im Blutrausch weiter durch das Land.

Wer es lieber etwas ruhiger und nachdenklicher mag, sollte sich mit der Story von Mr. Earl Brooks (Mr. Brooks – Der Mörder in dir) vertraut machen.

Earl Brook ist erfolgreich im Geschäft und führt ein auf den ersten Blick vornehmes Leben mit seiner Frau Emma. In seinem Inneren haust jedoch eine weitere Persönlichkeit namens Marshall. Marshall ist ein Serienmörder, der ab und zu die Kontrolle über Brooks Handlungen übernimmt.

Als Marshall nach einer langen Zeit der Abwesenheit plötzlich wieder stärker wird und einen Doppelmord an einem Liebespaar begeht, wird er von einem Hobbyfotographen beobachtet, der ihn später mit den aufgenommenen Bildern erpresst. Der Wunsch des Fotographen ist es, einem echten Mord beizuwohnen.

Brooks hat eine Tochter – eine Collegestudentin namens Jane. Jane ist schwanger, hat keine Lust mehr aufs College zu gehen und zieht wieder bei ihren Eltern ein. Sie bekommt unerwartet Besuch von der Polizei, die sie zu einem Mordfall an ihrem College befragen möchte.

Aus dem Verlauf der Befragung wird Brooks klar, dass seine Tochter lügt und womöglich an der gleichen Störung leidet, wie er selbst. Um ihr aus der Patsche zu helfen, vereint er sich mit Marshall, reist zu Janes College und begeht dort einen weiteren Mord nach demselben Muster, um den Verdacht von Jane abzuwenden.

Eine krasse, raffiniert konstruierte Familiengeschichte nimmt ihren Lauf.

Ein weiterer erwähnenswerter Psycho ist Howard Stambler (10 Cloverfield Lane).

Howard ist jemand, der sich fürs Ende der Welt bestens ausgerüstet hat.

Eine junge Frau Michelle verunglückt in ihrem Auto, wird von ihm gerettet und in seinen unterirdischen Bunker gebracht. Als sie wieder zu sich kommt, erklärt Howard ihr, er habe sie nach einem atomaren Angriff auf das Land in Sicherheit gebracht. Draußen gebe es seiner Aussage nach nichts mehr und sie solle froh sein, bei ihm bleiben zu dürfen.

Michelle glaubt ihm anfangs nicht und versucht zu fliehen. Als sie sich bereits an der Tür des Bunkers befindet, sieht sie eine verletzte Frau, die flehentlich um Einlass bittet. Die Frau ist verletzt und blutet. Howard warnt Michelle vor möglichen Infektionen, die sich draußen verbreitet haben könnten und lässt die Frau nicht hinein. Als diese dann beginnt, mit aller Wucht mit ihren Händen und dem Kopf gegen die Tür zu hämmern, ist Michelle davon überzeugt, dass die Welt da draußen nicht mehr dieselbe ist wie früher und entscheidet sich dazu, bei Howard zu bleiben.

Michelle und Howard sind aber nicht die einzigen Bewohner des Bunkers. Außer ihnen befindet sich dort ein junger Mann namens Emmett. Schon bald finden Michelle und er sich sympathisch. Dies missfält Howard jedoch deutlich und sein Verhalten ändert sich zusehends in eine gefährliche, obsessive Richtung.

Einer der genialsten Filmpsychos ist zweifelsohne Hannibal Lecter (Das Schweigen der Lämmer).

Trotz seiner gesamten Auftrittszeit von knapp 16 Minuten hat er uns so richtig das Fürchten gelehrt. Hannibal the Cannibal braucht keine besondere Vorstellung. Er ist die Instanz des Genres: zeitlos und stets präsent.

Kevin Wendell Crumb (Split) ist ein Psycho der besonderen Art.

In seinem Körper hausen ganze 23 unterschiedliche Persönlichkeiten, die auf eine hierarchische Weise miteinander verbunden sind, sich absprechen, sich gegenseitig unterstützen oder bekämpfen.

Jede einzelne Persönlichkeit Kevins ist spektakulär und perfekt inszeniert.

Einen besonderen Gefallen finde ich jedoch am kleinen Jungen Hedwig, der sagenhaft rührend und authentisch rüberkommt.

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