Schattendasein der Horrorfans

Schattendasein der Horrorfans

 

Mir ist aufgefallen, dass viele Horrorfans sich ihrer Vorliebe schämen. Manche verheimlichen sie regelrecht.

Für einen Horror-Schocker ins Kino gehen? Fehlanzeige! Was sollen bloß die Leute denken? Lieber wartet man, bis der Streifen auf DVD rauskommt.

Einer Community beitreten? Nur im Internet und nur anonym! Wer weiß, man könnte ja seinen Job verlieren…

Bücher-, Spiele- und Videosammlungen – nur in einem extra dafür eingerichteten Zimmer verschlossen, so dass die Liebste/ der Liebste und die Kids niemals mitkriegen, was für eine Art Mensch Du bist. „TWD“ wird geguckt, nur wenn die anderen Familienmitglieder schlafen oder am Wochenende zur Oma ausgewandert sind.

Hey, wacht doch bitte auf! Eure Mamas werden Euch dafür schon nicht ohne Nachtisch lassen und die Schulzeiten der meisten von Euch liegen bereits 10-30 Jahre zurück: Die bösen Klassenkameraden von damals werden Euch nie wieder hänseln können! Kommt aus dem Schatten heraus, Ihr seid erwachsen!

Dass die Stigmatisierung der Horrorliebhaber von der Außenwelt hier und da skurrile Züge annimmt, entgeht mir natürlich nicht und rechtfertigt somit zum Teil das konspirative Verhalten mancher Individuen.

ABER erfahrungsgemäß kann ich der Welt da draußen versichern, dass

  • ein großer Teil der Horrorfans ein Abitur oder einen noch höheren Schulabschluss vorzuweisen hat und somit nicht dümmer als der Rest des Landes sein kann
  • Horrorleute weder pauschal aggressiv noch bipolar gestört sind
  • Splatter nicht gleich Horror ist
  • Horrorfans einen tollen Humor besitzen
  • das Gruselige dazu erschaffen wird, um den Ungeheuerlichkeiten des echten Lebens zu trotzen

Also, liebe Normalos, streicht bitte das Bildnis eines ungepflegten, von Pickeln übersäten Hinterwäldlers, der den ganzen Tag Gewaltvideos auf seinem PC anschaut, aus Euren Köpfen. Horrorfans sind nette Menschen und haben nichts zu verheimlichen, außer vielleicht zwei oder drei in einem mit Säure gefüllten Container eingelegte Nachbarn, die nach dem Feierabend etwas zu laut gewesen sind.

Mein Appell an alle meine Artgenossen, die sich immer noch nicht ans Licht trauen, ist: Umarme den Horrorfan in Dir und er wird Dir dafür danken!

Gruselige Grüße

 

Eure Schauerfee

4 thoughts on “Schattendasein der Horrorfans

  1. Hm, also das kann ich jetzt nicht bestätigen. Von meinen Bekannten weiß jeder, dass ich auf Horror stehe und auch schreibe. Deswegen hat noch keiner die Nase gerümpft oder Schlimmeres. Gibt es so was tatsächlich??

    1. Ich verheimliche es ja auch keineswegs, kenne aber welche, die das tun. Scheint wohl an Freundes- und Bekanntenkreis zu liegen sowie an der Familie.

  2. Lässt sich auch prima auf die Welt des Metal portieren.
    Man stelle sich vor, nicht jeder von uns frisst kleine Kinder zum Nachtisch! 🙂

    Sehr schöner Appell und gut geschrieben!

    1. Auf jeden Fall, Hecki!

      Es ist mittlerweile vollkommen salonfähig, Rock- oder Metalklamotten zu tragen (dank H&M, Zara und Co), aber Metal denn auch tatsächlich zu hören, macht Dich zu einer Art Paria. Da fühlt man sich unter seinen Artgenossen viel wohler, was zur Ausgrenzung führt. 😀

      Ich für meinen Teil lasse mir diese Behandlung einfach nicht mehr bieten und nehme Menschen, die auch nur ansatzweise mit mir über das Thema Metal/Horror diskutieren wollen, den Wind aus den Segeln.

      Meinem aktuellen Arbeitgeber habe ich während des Vorstellungsgespräches auf die Frage, was ich in meiner Freizeit tue, mitgeteilt, dass ich Horrorgeschichten schreibe und Metal höre. Er zeigte sich im ersten Moment überrascht, fand es aber gut, dass ich ihm gegenüber ehrlich gewesen war, und gab mir den Job. Also, ist diese Welt nicht ohne gute Menschen. 😀

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