Horrorfilme nach Buchvorlage

Kopfkino vs. Filmindustrie

Horrorfilme nach Buchvorlage

 

Einen Film nach einer Buchvorlage zu drehen ist ein kniffliges Unterfangen, denn die Erwartungen der Leser sind meist sehr hoch. Das Kopfkino ist bereits gelaufen und die eigenen Vorstellungen und Emotionen, die man beim Lesen durchlebt hat, sind einem so tief unter die Haut gegangen, dass kaum eine Regiearbeit diese zu übertreffen vermag.

Viele Nicht-Leser verstehen diese Attitüde der Leseratten nicht und beschuldigen sie der Verbohrtheit, wobei sie möglicherweise sogar Recht haben. Doch ich persönlich stehe Book-to-Film-Streifen in erster Linie sehr skeptisch gegenüber.

Wie bereits hundertfach erwähnt, bin ich ein Riesenfan von Stephen King. Fast jedes seiner Werke ist für mich ein literarischer Diamant und somit ist der Frust umso größer, wenn ich grottenschlechten Filmadaptionen derer beiwohnen muss.

Die drei schlechtesten davon sind meiner Ansicht nach

  • Christine
  • The Shining (1980)
  • Needful Things

Bei allem Respekt zu John Carpenter kann ich bis heute nicht nachvollziehen, was in ihn gefahren ist, während er an Christine geschraubt hat. Logische Fehler, talentfreie Schauspieler, spannungslose Atmosphäre… Der Film ist eine schallende Ohrfeige ins Gesicht eines jeden King-Fans.

The Shining von Stanley Kubrick hat für mich mit Kings Roman ebenso wenig zu tun wie ein Frosch mit einem Friseurbesuch. Äußerlich hat Kubricks Jack Torrance nicht im Geringsten Ähnlichkeit mit seinem Prototyp aus dem Buch (dasselbe gilt übrigens für Wendy Torrance, deren ungelenke Darstellung durch Shelly Duvell so nervtötend ist, dass ich nur noch den Aus-Knopf betätigen möchte). Aber auch das Flair des Übernatürlichen – des Bösen – kommt in diesem Film nicht deutlich genug zum Vorschein.

Needful Things ist einfach nur plump und dramaturgisch einfallslos. Die von Stephen King satirisch gestalteten Bewohner von Castle Rock wirken in der Verfilmung einfach nur farblos und langweilig. Ein klares Unlike.

Doch nicht alles ist so desaströs. Es gibt auch durchaus würdige Horrorbuch-Adaptionen. Die drei besten davon sind meines Erachtens

  • Bram Stoker’s Dracula
  • I am Legend
  • Der Nebel

Francis Ford Coppolas Meisterwerk ist ein wahres Fest der Sinne für jeden Horrorfan. In seinem Bram Stoker’s Dracula vereint er das theatralische Pathos mit dem finsteren, klassischen Schrecken. Außerdem bin ich dem Herrn Regisseur sehr dankbar, dass er in diesem Fall die literarische Vorlage nicht allzu buchstäblich genommen hat, denn ich kann Bram Stokers „Dracula“ schlicht und einfach nicht ausstehen. Das Buch langweilt mich fürchterlich!

Der Streifen I am Legend, der auf dem Roman „Ich bin Legende“ von Richard Matheson basiert, ist ein komplexes Werk, in dem es sehr emotional zugeht. Die erschreckende Einsamkeit, die sich wie ein Leitfaden durch den Film zieht, kann man so deutlich spüren, dass sie einen fast umbringt. Will Smith liefert dem Zuschauer eine atemberaubende One-Man-Show, die nicht für einen Augenblick auch nur ansatzweise Langeweile aufsteigen lässt. Zombies werden dabei zu einer Nebensache.

Frank Darabonts Der Nebel erschüttert einen bis ins Knochenmark. Ebenso brillant wie Stephen Kings gleichnamige Geschichte zeigt der Film uns, zu was ein Mensch in kürzester Zeit fähig ist, nachdem die zivilisatorischen Rahmen, die uns die Marschrichtung vorgeben, nicht mehr da sind. Die Figuren sind perfekt ausgearbeitet. Marcia Gay Harden als Ms. Carmody überzeugt und verstört einen. Das Ende des Films unterscheidet sich von dem des Buches enorm und legt somit noch eine Schippe Grauen drauf. Ich will nicht spoilern, aber so viel muss gesagt werden: Nachdem der Film zu Ende war, habe ich einige Taschentücher verbraucht.

Eure Schauerfee

 

13 thoughts on “Horrorfilme nach Buchvorlage

  1. Hallo liebe Schauerfee,
    bei Shining bin ich nicht ganz bei dir, da Kubrick den Fokus mehr auf die inneren Dämonen von Jack Torrance legte und somit ist eben ein anderer Film entstanden. Empfinde das als nicht allzu schlimm, da ich finde, dass es keine 1:1- Unsetzungen braucht, sonst wäre es ja langweilig. Wie steht es in einem anderen Kommentar? Als Film gut, als Verfilmung nicht.

    Wie ist dann deine Meinung zu den zwei bevorstehenden Verfolgungen zu „Es“ und „Der dunkle Turm“? Bei zweiterem bin ich gespannt, wie sie die Vorlage aufgreifen und vielleicht etwas Eigenes kreieren, was den Geist der Bücher atmet, aber keine zwanghafte Adaption des Stoffes darstellt.

    Liebe Grüße
    Marc

    1. Hey Marc!

      Was Kubricks „Shining“ angeht, werden wir wohl nicht einmal ansatzweise übereinkommen. 😀 Die Rolle von Jack Torrance mit Jack Nicholson zu besetzen, ist meines Erachtens eine entsetzliche Idee gewesen. Ich respektiere Meinungen derer, die den Film lieben, werde es selbst jedoch nie tun.

      In die aktuellen Verfilmungen von „Es“ und „Der dunkle Turm“ setzte ich eine Riesenhoffnung. Darüber habe ich bereits hier geschrieben: https://schauerfee.de/rund-um-den-grusel/demnaechst-im-kino/

      Schon sehr bald wissen wir mehr. Der zehnte August rückt immer näher. 😀

      Liebste Grüße

      Schauerfee

      1. Wäre doch auch olle, wenn alle derselben Meinung wären 😉

        In den anderen Beitrag kommentiere ich auch noch.

        Gruß
        Marc

      2. Die Darbietung von Nicholson wird in der Enzyklopädie des Phantastischen Films übrigens auch als „Schmierentheater“ bezeichnet. 😉

          1. Ist alles nur irgendwo zusammengelesen. Ich habe aber so ein Talent dafür, mir vor allem nutzlose Sachen, die keinen interessieren gut merken zu können.

  2. King ist nunmal der vermutlich bekannteste Horrorschriftsteller. Nehmen wir drei absolute Klassiker: Psycho, Der Weiße Hai und Der Exorzist – und fragen wir dann mal herum, wem Robert Bloch heute noch ein Begriff ist (bestenfalls einigen Cthulhu-Kultisten). Benchley und Blatty dürften für den durchschnittlichen Leser nicht weniger esoterisch anmuten und wenn man Jaume Balagueros The Nameless (Los sin nombre), ganz zu schweigen von Ramsey Campbells literarischer Vorlage, aus der Mottenkiste kramt befindet man sich vollends in der Obskurität.
    Wenn ein Blogbeitrag nicht in für neugierige Uneingeweihte völlig unverständliche Fachsimpelei ausarten soll ist darum die Erwähnung von Onkel Stephen praktisch unumgägnlich, denn es sollte wohl doch eher um Filme und Bücher gehen, die relativ viele Leute gesehen / gelesen haben oder zumindest dem Namen nach kennen. Und da wird es abseits der Fanszene schon für Meisterwerke wie Hellraiser ziemlich eng.
    Außerdem schreibt m. E. kein Autor so dermaßen visuell bzw. filmisch wie King. Ich denke da nur an den Anfang von Brennen muss Salem, wie er sich schrittweise an das gruselige Marstenhaus herantastet, da hat man als Leser (vorausgesetzt man hat in seinem Leben mehr als drei Filme gesehen) geradezu zwangsläufig Kamerabewegungen und Schnittfolgen im Kopf. Vielleicht ist es auch deshalb gerade bei King so leicht, von gelungenen Verfilmungen und Zelluloidmüll zu sprechen, wobei die Filme dann „gut“ sind wenn sie sich einigermaßen mit den Zuschauererwartungen überschneiden. Nur daß Wälzer zwischen 800 bis 1500 Seiten eben teils ziemlich radikal gekürzt und vereinfacht werden müssen bzw. die überlangen TV-Produktionen in Punkto Sex und Härte abgemildert und auch visuell wenig innovativ daherkommen. Die wagemutigen Fernsehserien wie „Game of Thrones“ lagen zu Zeiten von „The Stand“ eben leider noch in weiter Ferne.
    Das Problem von Shining hat Georg Seeßlen übrigens schön formuliert: „Kubrick macht Gift aus Medizin“. Gewissermaßen wird der Roman komplett in sein Gegenteil verkehrt. Starker Film, aber eine unterirdische Verfilmung. Coppolas Dracula hingegen arbeitet bei allen Änderungen das Grundthema heraus und macht aus einer aus heutiger Sicht eher mittelprächtigen Story ein schwarzromantisches Meisterwerk. Das kann man zwar strenggenommen auch als Schriftschändung bezeichnen, aber es soll auch Leute geben, die die Herr der Ringe-Filme nicht mögen.

    1. Weißt du, ich finde, dass der Einstieg in „Brennen muss Salem“ einer der gelungensten, packendsten und düstersten im Horrorgenre ist. Das Bedrückende, das der Protagonist empfindet, und der kleine Junge, der so verloren und zerrissen dargestellt wird, versetzen einen auf Anhieb in tiefste Spannung. Der Zeitungsartikel hat sich aber auch gewaschen! Das Marstenhaus wird im Buch genial beschrieben – da kann man das Böse darin fast schon greifen. Über Spukhäuser schreiben kann King sowieso gut und kling dabei nie klischeehaft, weil er stets die richtige Intonation für die Erzählung auswählt.

      Den Invert-Revert-Vergleich von Kubricks und Coppolas Arbetweisen finde ich übrigens sehr gelungen.

      1. Eine der schlechtesten Literaturverfilmungen hat übrigens der ansonsten von mir sehr geschätzte Dario Argento verbrochen. Bei seinem Dracula haben mir schlicht die Worte gefehlt, dabei war Das Phantom der Oper schon Trash.

  3. Bei allem Respekt, was soll das? Drei miese King-Filme und drei gute Nicht-King-Filme. Wo ist der Zusammenhang? Und wo ist die Kritik an ES, The Stand, dem Carrie-Remake, Dreamcatcher u.v.m. die garantiert schlechter oder weiter weg waren von der Vorgabe?

    Und während Shining zweifelsohne weit weg war vom Roman, kann ich mich auch nicht erinnern, dass Dracula im Buch ein liebeskranker Romantiker war. Wäre doch konsequent darauf hinzuweisen, sonst misst du mit zweierlei Maß.

    1. Hey Tortsen!

      Deine Aufregung verstehe ich nicht so ganz. In diesem Beitrag geht es nur um meine persönliche Meinung, was ich auch oft genug erwähnt habe.

      Die Sache ist die: Im Horrorbereich gibt es erst gar nicht so viele Filme, die eine Buchvorlage besitzen. Und davon sind bei Weitem nicht alle erwähnungswürdig. Ich habe mir vorgenommen, in diesem Beitrag über 3 gute und 3 schlechte Streifen zu schreiben. Da ich ein King-Fan bin, gehen mir die Verfilmungen seiner Romane natürlich viel mir unter die Haut und wie bereits oben angedeutet, rege ich mich unheimlich auf, wenn diese in die Hose gehen. Die Entscheidungsfreiheit über die Inhalte behalte ich mir in meinem Blog einfach vor und wüsste keinen Grund, warum ich mir „zweierlei Maß“ vorwerfen lassen muss.

      Über Es, Dreamcatcher usw. hätte ich natürlich auch schreiben können. Doch finde ich Dreamcatcher gar nicht so schlecht. Ich mag den Film. Die neue Carrie-Verfilmung finde ich auch gut. Wenn du Kritik zu diesen Filmen hast, warum schreibst du nicht einfach darüber?

      Na gut, ich hoffe, du hast ansonsten Spaß auf dieser Seite gehabt.

      LG

      Schauerfee

      1. Ich würde nicht von Aufregung sprechen, mein Puls ist und war niedrig ;), finde nur die Auswahl dürftig und das rein quantitativ.
        Dass es deine persönliche Meinung ist, steht sowieso außer Frage, das kritisiere ich sicher nicht, aber wenn du nicht willst, dass deine Meinung jemand außer dir liest, solltest du den Artikel nicht auf Facebook teilen.

        Dass du King Fan bist, ist offensichtlich, man könnte aber den Eindruck gewinnen, als würden beinah ausschließlich Kings Bücher verfilmt und ich widerspreche, dass es nicht viele Filme gibt, die eine Buchvorlage besitzen.
        Hellraiser, Der Exorzist, Psycho, Die Vögel, So finster die Nacht / Let me in, American Psycho, 7 Days, Rosemaries Baby, Frankenstein, Das Schweigen der Lämmer, Battle Royale, The Ring / Ringu, Evil, Echoes, Das Relikt, Odd Thomas, Audition, Das Tier, Wenn die Gondeln Trauer tragen, Bis das Blut gefriert / Das Geisterschloss, Angel Heart, Ruinen …um nur mal die besseren zu nennen

        1. Der Beitrag ist so wie er ist. Ich teile ihn auf FB, weil ich ihn auf FB teile. Einfach so, weil ich das so will.

          Die von dir aufgezählten Filme habe ich in meinem Beitrag nicht behandeln wollen, weil ich gründe dazu habe. Z.B. „Der Exorzist“, „Psycho“, „Die Vögel“, „So finster die Nacht / Let me in“, „Rosemaries Baby“, „The Ring / Ringu“, „Odd Thomas“ habe ich erst vor Kurzem in einem anderen Kontext erwähnt und wollte mich daher nicht wiederholen.

          „Frankenstein“ gefällt mir weder als Film noch als Buch. Ich habe keinen Bezug zu Mary Shelleys Werk und möchte deswegen nicht darüber schreiben. Ebenso wenig über „Bis das Blut gefriert / Das Geisterschloss“, „Angel Heart“, „Ruinen“.

          Über „Wenn die Gondeln Trauer tragen“ hat neulich eine Kollegin von mir geschrieben und ich wollte sie nicht unbedingt kopieren.

          Ich hätte natürlich einfach das Ganze, was unter diesem Link

          http://bloody-disgusting.com/editorials/3341284/horror-movies-based-books/16/

          erhältlich ist, ins Deutsche übersetzen und daraus einen Artikel machen können, dies reizt mich aber nicht sonderlich. Täte ja ohnehin jeder, nicht wahr?

          „Der Nebel“ ist übrigens auch von King. Also ist der Satz „Drei miese King-Filme und drei gute Nicht-King-Filme.“ auch nicht ganz korrekt.

          Liebe Grüße

          Schauerfee

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