Horror – das unterschätzte Genre

 Horror – das unterschätzte Genre

oder: Ich bin stolz darauf, ein Horrorfan zu sein!

Wenn ich schon dieses übellaunige Naserümpfen sehe, wenn ich jemanden frage, ob derjenige diesen oder jenen Horrorstreifen gesehen hatte, werde ich giftig.

„Igitt, das ist doch eklig!“, „Bloß nicht, sonst komme ich nicht in den Schlaf!“, „Ich habe so schon genug Stress auf der Arbeit!“, „Sind doch alles nur Märchen!“…

Nischengenre, B-Movie, nur für Freaks… Echt jetzt?

Wie erklärt man denn die unglaubliche Popularität von „The Walking Dead“, „Stranger Things“ oder „American Horror Story“?

Vielleicht möchte jemand sogar allen Ernstes behaupten, Stephen Spielberg mache Nischenkino?

Ich denke, dass das Horror-Genre eines der ehrlichsten innerhalb der gesamten Filmkunst ist. Eines, das uns stets einen Spiegel vor Augen hält. Monster und übernatürliche Elemente stellen nur die Grausamkeit des realen Lebens dar. Die besten Beispiele dafür sind „Rosemary’s Baby“, „The Purge“, „Das Omen“, „Haus der Vergessenen“, „Carrie“.

Kein Politdrama, keine sozialkritische Komödie ist in der Lage, den Puls der Zeit so bildlich und gleichzeitig so unaufdringlich darzustellen, wie ein guter Horrorfilm. Dazu kommt noch der Vorteil, den eigenen, ganz privaten Ängsten ins Gesicht zu blicken, ihnen zu begegnen und sie somit zu akzeptieren.

Menschen, die Horrorfilme meiden, sind für mich feige, weil sie in Furcht leben, ein Monster im eigenen Ich zu entdecken und womöglich niemals damit klarkommen zu können. Oder vielleicht haben sie Schiss, überhaupt zugeben zu müssen, dass sie sich vor irgendetwas ängstigen?

Furcht ist eine sehr feine Emotion. Furcht zu zeigen ist ein bisschen wie von der eigenen Oma beim Onanieren erwischt zu werden oder nackt durch die Straßen zu laufen. Nur mit einer dicken Prise Mut im Blut kann man sich vom Herzen gruseln und Spaß dabei haben.

Und jetzt mal ganz ehrlich: Mit wem will man lieber einer Zombie-Apokalypse trotzen? Mit jemandem, der auf „Dr. House“ steht oder mit einem, der sich mit der Materie auskennt?

5 thoughts on “Horror – das unterschätzte Genre

  1. Hab mich ein wenig auf deinem Blog umgesehen. Ich bin vielleicht kein wirklicher Horror-Fan, aber ich habe festgestellt dass ich doch den Großteil dessen, was du hier erwähnst, kenne. Liegt wahrscheinlich daran dass ich mir als Jugendliche immer die ganzen Horror-Filme angesehen habe. So zwischen Abneigung und Faszination. Kann mich noch sehr gut dran erinnern, dass ich mit 14 auf den passenden Moment gewartet habe, dass meine Eltern mal Abends nicht da sind, um mir mitten in der Nacht, den Exorzismus von Emily Rose ansehen zu können. War ne blöde Idee und hat mich damals ziemlich traumatisiert. Ich habe verstanden, dass Filme nicht ohne Grund eine Altersbegrenzung haben…und nichts daraus gelernt und mir als nächstes gleich Kill Bill beim großen Bruder meiner Freundin angesehen. Haha. 😀 Aber beim Exorzismus von Emily Rose bekomm ich schon Panik, wenn ich daran zurückdenke.

    Am liebsten hatte ich From Dusk Till Dawn. Ich mag es wenn Horror noch eine andere Ebene oder Komponente hat, als das Klassische Grusel-Zeugs. Sehr gerne hatte ich auch immer das Genre Psychothriller, wie Shutter Island und Mindhunters.
    Tatsächlich war Shutter Island, aber ziemlich der einzige Film, den ich als Erwachsene gesehen habe. Zwischen 14 und 18, habe ich die Dinger echt hintereinander weg gesehen und habe mich in meiner Jugend wohl ziemlich satt gesehen davon. Ich hab mir echt fast alles angetan, was ich finden konnte. Nur mit den Geister Sachen war ich dann etwas vorsichtiger nach Emily.

    Liebe Grüße, Anja

    1. Hallo, liebe Anja!

      Freut mich sehr, dass du den Weg hierher gefunden hast.

      „Der Exorzismus von Emily Rose“ ist in der Tat ein sehr harter Brocken. Hat mich auch ziemlich mitgenommen. Die Perfomance der besessenen Emily ist unglaublich überzeugend.

      „From Dusk till Dawn“ ist einer meiner Favoriten im Horrorgenre: humorvoll, gefährlich, schaurig.

      „Shutter Island“ ist auch ganz toll. 😀

      LG

      Schauerfee

  2. „Nur mit einer dicken Prise Mut im Blut kann man sich vom Herzen gruseln und Spaß dabei haben.“ – Ganz meine Meinung. 🙂
    Hier ist meine Erfahrung zu dem Thema:
    Ich bin ein riesiger Fan von Horrorfilmen und habe schon so einiges gesehen, von subtilen Psychohorror bis Splatgore-Gemetzel. Man könnte behaupten, dass ich inzwischen schon abgestumpft sein sollte, was extreme Brutalität und unfaire Jumpscares anbelangt. Erst vor kurzem habe ich den französischen Slasher „Inside“ gesehen, der so verstörend und brutal war, dass er mich als Jugendlicher wahrscheinlich traumatisiert hätte. Jetzt, nach über 700 Horrorfilmen, konnte ich ihn aber ganz gut verkraften. Heißt das, dass Horrorfilme mir weniger Angst machen als denen, die weniger Erfahrung mit ihnen haben?
    Ganz im Gegenteil! Wenn ich einen neuen Horrorfilm schaue, versetze ich mich jedes Mal so sehr in das Gesehene, dass ich wieder die Angst und Spannung spüre wie damals bei meinem allerersten Horrorfilm. Ich begegne der Angst, ich suche sie, ich will sie spüren. Selbst bei den schlechteren und trashigeren Genre-Vertretern versuche ich, mich in die Situation der Protagonisten hineinzuversetzen, um das Grauen miterleben zu können – und zu dürfen. Das hat zur Folge, dass ich selbst nach 700 Filmen noch immer an meinen Nägeln kaue oder vor Schreck fast vom Stuhl falle.
    Viele meiner Freunde trauen sich nicht an Horrorfilme heran. Andere tun bei Filmabenden so, als würde sie das Gesehene absolut kalt lassen, und belächeln dann meine Reaktionen. Als es mir einmal zu bunt mit dieser „Ich habe keine Angst“-Attitüde wurde, habe ich sie zur Rede gestellt. Wie sich herausstellte, haben meine Freunde so viel Angst davor, sich zu gruseln, dass sie emotional einfach dicht machen. Sie trauen sich einfach nicht, sich dem Horror ganz und gar zu stellen, so wie ich das tue.
    Fazit meines langen Kommentars ist also, dass du Recht hast: Um Horrorfilme wirklich zu genießen, braucht man den Mut, sich vollkommen auf sie einzulassen.

    1. Vielen Dank für deine ausführliche Aussage.

      700 Horrorfilme?! Da kann ich wohl nicht mithalten. Chapeau!

      Ähnliche Situationen mit den Freunden, die sich dem Grusel verweigerten, habe ich zuhauf erlebt. Mir persönlich sind die Menschen lieber, die sich vor Schreck die Decke über den Kopf ziehen und kreischen als die, die gespielt gleichgültig dreinschauen.

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