Gruselige Musikvideos

Die kleinen Boten des Horrors

Gruselige Musikvideos

Es gibt Musikvideos, die mehr Düsternis aufweisen als manch ein Horrorfilm. Die große Kunst dabei ist, die perfekte Harmonie zwischen dem Klang und dem Visuellen zu erreichen. Die Chemie muss stimmen. Das Budget spielt dabei keine große Rolle, denn man kann keinen guten Geschmack kaufen.

In diesem Beitrag möchte ich nicht das alte Geleier über Michael Jacksons „Thriller“ oder „The Kill“ von 30 Seconds to Mars auspacken. Diese Videos kennt aber auch wirklich jeder! Lady Gaga, Rammstein, Backstreet Boys und Ozzy Osbourne haben es in den Beitrag auch nicht geschafft.

Dafür aber Marilyn Manson.

Jedoch nicht mit dem altbekannten „The Beautiful People“. Das Video ist zwar eine Augenweide für jeden Horrorfreak, trifft meiner Meinung nach aber nicht die richtige Gefühlsebene. Es ist ein sehr solides Stück Arbeit, Mr. Manson kann das jedoch besser.

Und zwar hier: https://www.youtube.com/watch?v=MmfQ7gSaJgM

Es ist leidvoll, es ist verdorben. Es erinnert einen an einen Alptraum, dessen genauen Ablauf man nicht mehr weiß – nur Fragmente sind im Kopf hängen geblieben. Fragmente, die so abartig sind, dass man sie besser nicht zu einem Ganzen zusammensetzen sollte. Dazu kommt die gefühlsbetonte Art, mit welcher Marilyn den Song aus sich herauspresst und somit dem Visuellen ein Krönchen aufsetzt.

Diejenigen, die es etwas ruhiger und weniger abstoßend angehen wollen, wären vielleicht mit dem ganz reduzierten Video von Lebanon Hanover gut bedient.

https://www.youtube.com/watch?v=0MxjIcM0BaM

Hier ist alles gespenstisch und einfach, mit ganz viel Platz für die eigene Fantasie. Schier die Erwartung macht es aus! Es ist ein kleines, atmosphärisches Stück Kunst mit viel grüner Melancholie und einer Stimme, die gleichermaßen schön und beängstigend wirkt.

Rapper können es übrigens auch nicht nur mit viel Gepose, Bling-Bling und nackten Tatsachen. Kool Savas wird in diesem Video okkult und finster:

https://www.youtube.com/watch?v=AVOjenmD9jU

Man sieht nicht viel, erahnt aber umso mehr. Die Symbiose von Lied und Bildern gleicht einem Faustschlag ins Gesicht.

Was viele eventuell gar nicht als Horror empfinden würden, ist das Video von Depeche Mode zum Lied „Wrong“.

https://vimeo.com/4435893

Ich persönlich denke dabei an Stephen Kings „Dolan’s Cadillac“. Im Video wird das Gefühl der Schutzlosigkeit, des Ausgeliefertseins auf eine sehr direkte und dennoch subtile Weise vermittelt. Der Song harmoniert wundervoll mit der bildlichen Darstellung und erzeugt somit sehr viel Spannung.

Als empfehlenswert würde ich auch folgende Videos nennen:

Sopor Aeternus „It is safe to sleep alone“

https://www.youtube.com/watch?v=cklAulDyuow

Celtic Frost „Dying God Coming into Human Flesh“

https://www.youtube.com/watch?v=T31cG-RJCZU

Nirvana „Heart-Shaped Box“

https://www.youtube.com/watch?v=n6P0SitRwy8

Viel Spaß beim Schauen!

 

 

7 thoughts on “Gruselige Musikvideos

  1. Tolle Auswahl. Videclips sind teilweise interessanter als die Liedtexte, weil die Macher da frei von einer Handlung mit Symbolik und filmtechnischen Spielereien herumexperimentieren können,

    Un der Mister Manson hat sowieso einige der besten Musikvideos im Programm. Mir persönlich gefallen vor allem die Sachen aus der „Golden Age of Grotesque“-Ära wirklich gut, wobei die mehr mit Dada, sogenannter entarteter Kunst und Verfremdung a la Bertolt Brecht zu tun haben als mit Horror. Wobei Micky Maus in faschistischer Riefenstahl-Optik auch etwas Beängstigendes hat ( https://www.youtube.com/watch?v=4kQMDSw3Aqo ).

    Mein persönliches Lieblingsvideoclip ist aber das hier:

    1. Ein tolles Video! Kenne ich gut. 😀

      Kann für mich Manson aber nicht übertreffen.

      Die Micky Mouse von Helnwein ist allerdings MEGA! Echt angseinflößend.

      1. Ganz schlimm von Manson finde ich auch Cryptorchid. Dachte zuerst nur was soll das denn? Dann habe ich mir den Film „Begotten“ reingezogen, aus dem das Video zusammengeschnitten wurde. Ich dachte, ich dreh‘ am Rad. 😀

        1. Genau das ist das, was ich meinte, als ich Philipp (schau ein Comment tiefer) sagte, dass ich das Zeug nur teilweise gesehen habe. Ich muss mir mal echt Zeit nehmen, und das Ganze komplett schauen. Wenn ich dabei vor Ekel nicht umkippe…

          1. Daß Silencer den Film auch zweitverwertet hat wußte ich gar nicht. Habe gerade eben erst in den Link weiter unten reingelinst.
            Soo eklig ist der Begotten eigentlich gar nicht, aber die Machart bringt einfach die Fantasie auf Touren. Man erkennt teilweise nur schemenhaft oder gar nicht, wer oder was da gefilmt wurde, und dazu gibts dann noch eine sehr anstrengende Geräuschkulisse (so eine Art monotones Pulsieren), das kann einen in der falschen Stimmung ziemlich fertigmachen. Aber so ähnlich stelle ich mir den „Fin absolue du monde“ aus „Cigarette Burns“ vor. Wenn ein Film aussieht als käme er direkt aus der Hölle, dann jedenfalls „Begotten“. Vielleicht ist er deshalb bei diversen Metalbands so beliebt.

    1. Das erste Ding kannte ich nicht. Etwas langwierig aber schön, sehr schön sogar.

      Das Zweite kannte ich nur zum Teil. In abgeschwächter Form. Es ist fürchterlich und wundervoll gleichzeitig. Das Krasse ist, dass der Kopf das zu Ende denkt, was nicht gezeigt oder nicht deutlich genug gezeigt worden ist. Hat definitiv etwas Gutes als Gegengewicht zur Romantisierung des Todes.

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