Freddy Krueger und ich

Ein Monster zum Verlieben

Freddy Krueger und ich

Jeder Horrorfan hat sein Lieblingsmonster.

Oder auch mehrere.

Monster und Bösewichte werden in der Grusel-Kultur wie echte Rockstars gefeiert. Sie bekommen ihre Merchandise-Artikel und ganze Fan-Websites. Man verkleidet sich als sie zu Halloween, lässt sich ihre Antlitze in die Haut stechen, kennt ihre Sprüche in- und auswendig, identifiziert sich ja mit ihnen.

So, die Einleitung hat geklappt, nehme ich an. Somit schreite ich geradeaus zu meinem Lieblingsmonster, zum Herrscher der bösen Träume, zum unwiderstehlichen und einzigartigen Fred Krueger, dem Sohn von Tausend Vergewaltigern und einer Nonne und einem in allen Belangen sympathischen Zeitgenossen.

Ich war acht Jahre alt und es war Sommer. Meine Mutter und noch ein paar weitere Eltern aus den umliegenden Häusern versammelten sich in der Garage eines Nachbarn, um einen gemütlichen Videoabend zu veranstalten.

Da es sich an jenem Abend um einen Erwachsenenfilm handelte, mussten wir Kinder draußen bleiben und uns so gut es ging um uns selbst kümmern. Ja, damals war alles einfacher und die Kids noch durchaus imstande, eine Beschäftigung abseits der Glotze zu finden und dabei nicht umzukommen.

Also vertrieben wir unsere Zeit mit Verstecken-Spielen und Kaulquappen-Fangen. Doch auch die schönste Beschäftigung der Welt braucht irgendwann eine Abwechslung. Mir wurde langweilig.

Ich schlich an die Garagentür heran. Sie stand einen Spalt offen – geradeso weit, dass ich hineinlugen und ¾ des Bildschirms erspähen konnte.

Die Szene, die sich dadurch meinen Augen bot, war faszinierend und verstörend zugleich: Ein junger Mann wurde von jemandem wie eine Marionette durch einen Korridor geführt und die Ziehfäden, die aus seinen Armen und Beinen ragten, waren nichts Anderes als seine eigenen Sehnen.

Und dann sah ich den Puppenmeister, das vernarbte Gesicht zu einer Maske aus Belustigung und Bösartigkeit verzerrt, einen alten Hut auf, Messerklingen statt Finger…

Der junge Mann wurde aufs Dach geführt und mein Herz rutschte mir auf einmal in die Magengrube, als der Puppenmeister die Schnüre mit seinen Klingen-Fingern abgeschnitten hatte.

Ich rannte weg.

In jener Nacht träumte ich schlecht. Auch in der darauffolgenden Nacht.

Ich grübelte ununterbrochen über das Gesehene nach und nehme an, damals zum ersten Mal verstanden zu haben, welch eine Macht Bilder besitzen.

Ich war verängstigt und gleichzeitig verliebt. Freddy zog mich auf eine fantastische Weise in seinen Bann.

Unsere Beziehung hält bis heute.

Die Figur Freddy Krueger ist meines Erachtens eine der gelungensten in der gesamten Horrorfilm-Geschichte.

Freddy verkörpert das abgrundtiefe, ultimative Böse, das nicht zerstört werden kann. Er verschafft sich Zugang zu dem intimsten Bereich seiner Opfer – zu ihren Träumen, zum Unbewussten, die er nach seinem Belieben lenken und umgestalten kann. Er überrascht einen, wenn man am schutzlosesten ist und geht gnadenlos vor.

Freddy ist eine Stilikone – sein Handschuh, sein Hut und sein Pullover stellen zusammen ein modisches Statement dar. Er sieht lässig-cool aus – eine Mischung aus Cowboy und Grunger, was ihm unzählige Sympathiepunkte bringt.

Und Freddy besitzt Humor. Er verspottet nur zu gerne die jämmerlichen Versuche der Protagonisten, sich seiner Macht zu widersetzen. Er agiert selbstsicher und einfallsreich. Alles in allem: die perfekte Bestie.

Hoch lebe das Monster!

Wer sind Eure Lieblingsbösewichte?

 

2 thoughts on “Freddy Krueger und ich

  1. Also, ich bevorzuge ja Michael Myers (Halloween 1978) und Jason Vorhees (Freitag der 13. 1979), aber mein Lieblings-Grusel-„Star“ war und ist Christopher Lee als „Dracula“. Der Mann hatte eine Irrsinns-Ausstrahlung. Mein allererster Horrorfilm war übrigens Frankenstein mit Boris Karloff, und schlecht geträumt habe ich wegen eines Horrorfilms nie. Inzwischen vermisse ich richtigen Grusel im Horror-Genre, stattdessen wird alles nur noch auf immer neue unmenschlichste Folterungen reduziert und die abartige Fantasie des Menschen kennt keine Grenzen. Einer meiner erklärten TOP Favoriten ist und bleibt übrigens der Schwarzweiß-Klassiker von Mario Bava, „Die Stunde, wenn Dracula kommt“, und er gilt bis heute als bestfotografierter Schwarzweiß-Horrorfilm aller Zeiten…

    1. Ja, das mit Folter, Sadismus und Ekel kennt mittlerweile keine Grenzen mehr. Man legt immer weniger Wert auf eine spannende Plotentwicklung und immer mehr auf Abartigkeit. Diese Vorgehensweise legt einen bösen Schatten auf das gesamte Genre. Traurig.

      Christopher Lee war tatsächlich brillant aber nicht mein Lieblingsdracula. Ich selbst bevorzuge Gary Oldman oder Richard Roxburgh aus „Van Helsing“ (2004).

      https://www.youtube.com/watch?v=uaDiIDSqKEI

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