Frauenbild in Horrorfilmen

Der wunde Punkt des Horrorgenres

Frauenbild in Horrorfilmen

 

Weibliche Charaktere in Horrorfilmen kann man grob in drei Kategorien unterteilen: Opfer/Wirtin, schützende Mami und das berühmt-berüchtigte Final Girl. Die pedantische Klischeehaftigkeit, mit der die Rollen ausgearbeitet werden, ist manchmal schlicht zum Mäusemelken!

Hierbei ziehe ich meinen Hut vor dem Tierhorror, denn die Frauen können dort wenigstens handlungsbedingt einem Beruf nachgehen (wie zum Beispiel die Insektenforscherin Dr. Susan Tylor aus Mimic oder die Regisseurin Terry aus Anaconda) und somit etwas halbwegs Sinnvolles tun, um der Sexismus-Falle zu entgehen.

Die Passivität und Vorhersagbarkeit der weiblichen Rollen in Horrorfilmen ist teilweise erschreckend. Nehmen wir Melanie Daniels (Die Vögel). Warum verhält diese Frau sich dermaßen gehirnamputiert? Sie begeht ein Zimmer im Dachgeschoss, wird dort von Piepmatzen attackiert, steht direkt vor der Tür und lässt sich geräuschlos nahezu zu Tode picken, anstatt loszubrüllen, die verdammte Tür aufzumachen und aus dem Zimmer zu rennen. Worauf wartet sie eigentlich? Auf den Prinzen auf einem weißen Pferd?

Veraltetes Frauenbild aus den Sechzigern, sagt ihr, hat mit dem heutigen Zeitgeist wenig gemein. Ach, wirklich? Wie wäre es dann mit Jesse aus The Neon Demon aus dem Jahre 2016? Blond, schön, unschuldig, einfach gestrickt… abgeschlachtet. Man kann diesen Film vielleicht sozialkritisch nennen, doch nicht zuletzt ist er auch sehr sexistisch.

In Horrorfilmen werden auch Frauenkörper nur zu gerne von sämtlichen Dämonen besetzt (Klaro, eine Frau im zerrissenen Nachthemd, die obszönes Zeug von sich gibt, ist ein weit erotischerer Anblick als der eines Mannes!), was die in unserer Gesellschaft immer noch hoch angesehene weibliche Willenlosigkeit darstellt.

Also darf eine Frau in Horrorstreifen ebenso wie im realen Leben dumm und willenlos sein und gleichzeitig den sexuellen Ansprüchen der Männerwelt genügen. Emanzipation – Fehlanzeige! Auch im Jahre 2017.

Weitere Beispiele der berühmten Opfer/Wirtinnen sind Emily Rose (Exorzismus von Emily Rose), Regan MacNeil (Exorzist), Marion Crane (Psycho), Edith (Crimson Peak), Stormy (Odd Thomas), Mina Murray (Bram Stoker’s Dracula), Rosemarie Woodhouse (Rosemaries Baby).

Welche Aufgabe eine Frau selbstverständlich noch erfüllen darf, ist die einer Mutter.

Eine Mami, die bis ans Äußerste geht, um das Leben ihres Kindes zu beschützen, ist in einem Horrorfilm stets gern gesehen. Eine aufopfernde Liebe brennt alles Böse nieder. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist meist das private Glück. Warum ist das so? Warum muss eine Frau zu einer verzweifelten Märtyrerin werden, die ihren letzten Sex gefühlt noch zu Lebzeiten Jesu gehabt haben durfte, um dem Zuschauer zu gefallen?

Es ist ein Kinophänomen, ähnlich dem aus dem richtigen Leben: Schlaf die Nächte nicht durch, krieg Zellulite an jeder erdenklichen Körperstelle, geh nicht zu Partys, sprich bei jeder Gelegenheit nur über das eigene Kind, vergiss alle deine Hobbys (Arbeiten gehen darfst du natürlich, um dem Ehemann nicht zu sehr auf der Tasche zu liegen!), lebe nur für das Töchterchen/Söhnchen und dann wirst du von den anderen akzeptiert, bemitleidet und gemocht! Das ist das Rezept eines perfekten Mutterglücks!

Die besten Beispiele dafür sind: Chris MacNeil (Der Exorzist), Rose DaSilva (Silent Hill), Amelia Vanek (Der Babadook), Rachel Keller (The Ring), Grace Stewart (The Others), Wendy Torrance (Shining) – sind das nicht alles Portraits totunglücklicher Frauen?

Und dann gäbe es noch das Final Girl.

Laurie Strode (Halloween), Sally (Texas Chainsaw Massacre), Nancy (A Nightmare on Elm Street), Alice (Friday the 13th), Sidney (Scream!). Sie kämpfen alle verzweifelt um ihre Leben und entkommen dem Mörder, weil – ta-dah! – sie gute Mädchen sind. Substanzlose, langweilige, mehr oder minder hübsche, anständige Mädchen, die es nach christlicher Moral verdienen, am Leben zu bleiben. Sie strotzen nur so vor Güte, die ihnen wie ein zähflüssiger Schleim aus den Poren sickert.

Doch es gibt zum Glück immer wieder positive Ausnahmen.

Ellen Ripley (Alien), Alice (Resident Evil), Sarah Connor (Terminator 2), Michonne und Carol (The Walking Dead). Diese Damen lassen sich nichts gefallen, sind schlau und aktiv, haben auch ihre menschlichen Tiefs und Hochs und beeindrucken durch Stärke und Einsatz.

Und mit Annie Wilks (Misery) bekam die Welt die absolut beste und erschreckendste Bösewichtin, die man sich überhaupt vorstellen kann!

Also liebe Filmemacher, denkt lieber scharf nach, bevor ihr eine weibliche Rolle für euren nächsten Horrorstreifen ausarbeitet!

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