Faszination Zombie

Interview

Faszination Zombie

 

Zombies, Untote, Walker… Sie sind unter uns – präsenter denn je. Ihnen werden Filme, Fernsehserien und Romane gewidmet. Mittlerweile stellen sie einen unentbehrlichen Teil der modernen Pop-Kultur dar und sind praktisch in aller Munde. Sie haben es sogar geschafft, die sonst so beliebten Vampire in den Hintergrund zu drängen, und das soll schon was heißen.

Doch bei dem ganzen Z-Hype entsteht langsam der Verdacht, dass Zombieapokalypsen nur in den USA oder im Vereinigten Königreich stattfinden würden. Wo bleiben denn da die heimischen Zombieproduzenten? Warum hört man von ihnen so wenig? Falls ihr euch das fragt, müsst ihr diesen Beitrag unbedingt lesen, denn ich habe heute für euch, liebe Leser, fünf deutschsprachige Autorinnen/Autoren, deren Werke sich mit der Zombiethematik beschäftigen, interviewt.

Alle fünf haben dieselben Fragen gestellt bekommen, die sie aufgrund ihrer Einzigartigkeit und Kreativität vollkommen unterschiedlich beantwortet haben, was das Interview meiner Meinung nach äußerst abenteuerlich macht.

Wir fangen an mit der zauberhaften M.J. Colletti und ihrem Roman „CoEvolution“.

Beschreibe deinen Roman in 3-4 Sätzen

M. J. Colletti: CoEvolution, ist ein Zombie-Roman, der ohne Splatter auskommt. Gemetzel und Orgien von Gewalt und Blut sind nicht darin zu finden. Ich würde das Buch in drei Kategorien aufteilen: Endzeit/Science-Fiction und Gentechnik.

Was verkörpern Zombies für dich?

M. J. Colletti: Mir gefällt der Gedanke, dass Zombies nicht nur Hirnlose Infizierte sind, sondern vielleicht die nächste Stufe der Evolution sein könnten. Für mich verkörpern sie die Angst der Menschen vor Veränderungen.

Was tätest du im Falle einer Zombieapokalypse, um dich und deine Familie/Freunde zu retten?

M. J. Colletti: Ich habe im Keller eine Axt und genug Vorrat für mehrere Wochen. Vermutlich würde ich mit meiner Familie in die Wälder ziehen, irgendwo, wo wenig Menschen sind, denn die wären meines Erachtens, die größere Gefahr.

Was fasziniert dich an der Zombie-Thematik ganz besonders?

M. J. Colletti:  Das ist eine gute Frage. Ich denke, es ist der medizinische Aspekt. Was, wenn es ein Virus gibt, dass uns tatsächlich zu Zombies machen würde? Hmm… Gruseliger Gedanke.

Wie würde sich eine Z-Apokalypse made in Germany von einer US-amerikanischen unterscheiden?

M. J. Colletti: Gewalt, Blut und Waffen. In amerikanischen Z-Büchern geht es meist um eine Menge Gemetzel und einen A*** voll Waffen. Ich selber lese das sehr gerne, doch das Schreiben überlasse ich lieber den amerikanischen Autoren. Ich habe schon einige Z-Bücher deutscher Autoren gelesen: Da geht es einfach mehr um die Menschen, die Charaktere und wie sie miteinander umgehen.

 

Nun zum P.G. Connor und seinem haarsträubenden „Die Z Akten“.

Beschreibe deinen Roman in 3-4 Sätzen.

P.G. Connor: Mein Roman „Die Z Akten“ ist ein klassischer Zombieroman mit der Ausnahme, dass er in Deutschland spielt und nicht in den USA. Er unterliegt den Gesetzmäßigkeiten des kirkmanschen Zombieversums, wie seine eigene TV-Serie „The Walking Dead“ auch. Das Phänomen Zombie ist den Protagonisten also unbekannt. Meine Protas müssen ein sicheres Versteck verlassen und sich auf eine mörderische Reise begeben, um einen Ort an der Küste zu erreichen, wo sich die Regierung zurückgezogen haben soll.

Was verkörpern Zombies für dich?

P.G. Connor: Zombies sind für mich eine Art Spiegelbild von uns selbst. Sie lassen das in uns hervortreten, was tief in uns steckt, würde es wirklich so ein Phänomen geben. Und das könnte bei einigen durchaus der pure Horror sein. In der Tierwelt gibt es solche Phänomene tatsächlich, wie man im Folgeroman zu „Die Z Akten“ erfahren kann.

Was tätest du im Falle einer Zombieapokalypse, um dich und deine Familie/Freunde zu retten?

P.G. Connor: Ich bin kein Freund von Gartenarbeit, aber ich habe einen Spaten und eine Mistgabel im Keller. Überleben kann man bei so einem Setting eh nur, wenn die Gesellschaft zusammenhält. Davon sind wir, hinsichtlich rezenter politischer Ereignisse, weit entfernt.

Was fasziniert dich an der Zombie-Thematik ganz besonders?

P.G. Connor: Endzeit- und dystopische Romane öffnen die Tore zu einer Welt, in der alles auf einen Nullpunkt gebracht wird. In der man also alles zum Besseren oder Schlechteren werden lassen kann. Als Autor kann ich mich hier so richtig austoben. Als Fan der ersten Stunde von George Romeros Zombie-Klassiker sind mir die verfaulenden Kollegen ans Herz gewachsen.

Wie würde sich eine Z-Apokalypse made in Germany von einer US-amerikanischen unterscheiden?

P.G.Connor: Große Unterschiede würde es wohl nicht geben. Auch in Europa gibt es genug Waffen. Jedoch wären in Punkto Zusammenhalt der Gesellschaft/Überlebenden die Amerikaner wohl leicht im Vorteil. Hoffen wir also einfach, dass dieser Fall uns erspart bleibt.

 

Unser nächster Z-Autor heißt Alexander C. Christian. Mit seinem „The Biting“ lehrt er uns so richtig das Fürchten.

Beschreibe deinen Roman in 3-4 Sätzen.

Alexander C. Christian: Was geschieht, wenn sich jemand infiziert, aber nicht gewillt ist, die Seiten zu wechseln? Wo liegt die Grenze zwischen Mensch und Monster, zwischen Schutzengel und Sicherheitsrisiko? Die Geschichte, die „The Biting – Erster Gang: Menschlichkeit“ erzählt, ist für jeden Leser relevant – egal welches Geschlecht, Alter, oder ob man ein Zombie-Fan ist oder nicht.

Was verkörpern Zombies für dich?

Alexander C. Christian: Den realen Irrsinn, dass sich die Mitglieder derselben Spezies seit Jahrtausenden gegenseitig quälen und zerstören. Kurz gesagt: Den humanen Horror schlechthin.

Was tätest du im Falle einer Zombieapokalypse, um dich und deine Familie/Freunde zu retten?

Alexander C. Christian: Menschen mit einem gemeinsamen Ziel scheitern häufig, weil niemand die Verantwortung übernehmen will, aus Angst, etwas falsch zu machen. Ich würde diese Last bereitwillig tragen, wenn sie niemand anderes will, und zu einer entschlossenen aber gerechten Führungsperson werden.

Was fasziniert dich an der Zombie-Thematik ganz besonders?

Alexander C. Christian: Für mich hat die Zombie-Thematik das größte Potenzial unter allen Horror-Subgenres. Aber leider wird es in Filmen, Büchern etc. nur selten voll ausgenutzt. Stattdessen werden die fleischfressenden Untoten zu sinnentleertem Kanonenfutter degradiert und somit ins Lächerliche gezogen. Doch sie sind alles andere als das. Oder kann man sich einen schlimmeren Alptraum vorstellen, als eine mordlüsterne Bestie, die das verzerrte Gesicht eines geliebten Menschen trägt?

Wie würde sich eine Z-Apokalypse made in Germany von einer US-amerikanischen unterscheiden?

Alexander C. Christian: Der Mangel an Schusswaffen wäre unser größtes Problem. Darin liegt der einzige Vorteil, den die lockere Gesetzeslage in den USA jemals haben könnte. Wir würden im Überlebenskampf also kreativ werden müssen, dürften den Nahkampf nicht scheuen und müssten ganz klar abwägen, ob wir kämpfen oder uns verstecken. Das Gesetz des Cleveren, nicht des Stärkeren, würde gelten.

 

Weiter geht es mit Dennis Kazek, dessen Feder der Roman Rising Death entsprungen ist.

Beschreibe deinen Roman in 3-4 Sätzen.

Dennis Kazek: Bei „Rising Death“ handelt es sich um einen Zombieroman, der ein Jahr
nach Ausbruch einer weltweiten Seuche spielt. Wir haben drei Gruppen von
Überlebenden, die sich in dieser neuen und harten Welt durchschlagen
müssen. Im Roman geht es primär nicht um das Abschlachten irgendwelcher
Untoter, sondern er zeigt, wie sich die Charaktere im Laufe der Zeit
verändern und sich an die neue Umgebung anpassen. Natürlich darf
Spannung, Action und ein tiefgehendes Geheimnis für das einer meiner
Hauptcharaktere töten wird, nicht fehlen.

Was verkörpern Zombies für dich?

Dennis Kazek: Zombies sind für mich ein Weg, dem Mensch zu zeigen, dass er nicht
an der Spitze der Nahrungskette steht. Auch wenn ein einzelner Zombie
auf weiter Flur kein Problem darstellt, sind die gewaltigen Horden doch
eine immense Gefahr. Zudem können sie ordentlich was einstecken und
sehen schon echt gruselig aus. Eine Apokalypse wie in meinem Buch kann
das Beste im Menschen hervorbringen oder eben auch das Schlechteste.

Was tätest du im Falle einer Zombieapokalypse, um dich und deine Familie/Freunde zu retten?

Dennis Kazek:  Als Erstes alle versammeln, denn als Gruppe ist man immer stärker.
Je nachdem, wer welche Stärken hat, muss man sehen, ob man abhaut oder
zu Hause durchhält, bis es ruhiger wird und man wieder etwas aufbauen
kann. Flüchtlingscamps wären wohl der letzte Ort, zu dem ich gehen
würde. Große Menschenmengen auf jeden Fall meiden.

Was fasziniert dich an der Zombie-Thematik ganz besonders?

Dennis Kazek: Seitdem ich das erste Mal den Film „Night of the Living Dead“ von
George A. Romero gesehen habe, bin ich ein Fan. Der alte Schwarz Weiß
Film hat mich richtig in seinen Bann gezogen. Dann Filme wie Dawn of the
Dead und natürlich The Walking Dead. Sie alle zeigen, wie ein paar
Menschen gegen einen übermächtigen Feind kämpfen und wie ihre
Moralvorstellungen in dieser Zeit immer wieder ins Wanken geraten. Das
wollte ich mit Rising Death ebenfalls erschaffen.

Wie würde sich eine Z-Apokalypse made in Germany von einer US-amerikanischen unterscheiden?

Dennis Kazek: Ich denke, es gibt einige gravierende Unterschiede. Zum einen die
Ausstattung mit Schusswaffen. Die sind in Deutschland für den Privatmann
viel schwerer zu bekommen. Da sehe ich uns deutlich im Nachteil, was die
Verteidigung gegen die Untoten angehen würde. Des Weiteren die
Rückzugsorte. Deutschland ist um ein vielfaches kleiner und hat viele
Ballungszentren, aus denen die Menschen dann weg wollen würden. „Mal
eben aufs Land“ zu fliehen ist hier deutlich schwerer zu schaffen, wie
ich finde. Man müsste sich deutlich mehr einfallen lassen, als nur in
den Schwarzwald zu flüchten, um dort zu leben. Aber was wäre das Leben
ohne Herausforderungen?!

 

Und zum Schluss unterhalte ich mich mit Andreas Kohn, dessen Z-Roman den Namen ZOMBIECALYPSE“ trägt.

Beschreibe deinen Roman in 3-4 Sätzen.

Andreas Kohn: „ZOMBIECALYPSE“ ist/wird ein klassischer Zombie-Roman, der in der ersten Hälfte über Rückblenden die Wandlung einiger Protagonisten vom Otto-Normalverbraucher zu toughen, sich mit der neuen Umgebung abfindenden, Personen erzählt. Die Handlung würde ich aufgrund der zahlreichen Charaktere als durchaus komplex erachten. Dennoch strebt ab der Mitte des Romans alles einem finalen Showdown zu, bei dem alle Stränge aufgelöst werden, aber dennoch Platz für eine Fortsetzung lassen. Splatter-Szenen sind zahlreich vorhanden, stehen aber nicht unbedingt im Vordergrund.

Bis zur Veröffentlichung kann man den fertigen aber noch unredigierten Text, auf www.andreaskohn-autor.de nachlesen. Danach muss man sehen. Aktuell sind etwas über 80% fertiggestellt. Ich komme also langsam in Zeitnot, wenn er zu Weihnachten veröffentlicht sein soll.

Was verkörpern Zombies für dich?

Andreas Kohn: Ugh… Ich muss jetzt was Schlaues sagen? Im sozialen Kontext entsprechen Zombies der Masse der Dummen, die scheinbar ihr Gehirn abschalten und alles glauben und nachplappern, was auf Facebook als Wahrheit verkauft wird. Nachdenken über die Plausibilität einer Aussage scheint nicht mehr en Vogue zu sein. Das meine ich aber nicht nur im politischen Sinn.

Was tätest du im Falle einer Zombieapokalypse, um dich und deine Familie/Freunde zu retten?

Andreas Kohn: Wir sind hier in Deutschland. Allzu viele Möglichkeiten hat man, denke ich, nicht. Dass man den Zombies auch gut ohne Schusswaffen entgegentreten kann, versuche ich in ZOMBIECALYPSE darzulegen. Aber besiegen ließe sich die Seuche nur ganz am Anfang. Wenn 99% der Menschheit infiziert ist, stehen einem siebeneinhalb Milliarden Zombies gegenüber. Da hilft es nur, sich an einen sicheren Ort zurückzuziehen, der einer kleinen Gruppe von Menschen genug Platz bietet, langfristig zu überleben. Eine Ritterburg auf einem Berg wäre ideal. Zugbrücke hoch und gut iss´.

Was fasziniert dich an der Zombie-Thematik ganz besonders?

Andreas Kohn: Romeros Kaufhaus Zombie »Dawn of the Dead« war mein Einstieg. In den Film wurde später viel Sozialkritik hineininterpretiert. Konsumverhalten, Gewohnheiten, die sich selbst nach dem Tod nicht ändern etc. Ich denke aber eher, dass einem als Überlebender eine Zombie-Katastrophe die Möglichkeit bietet, alles zu machen was man will. Und wer würde nicht alleine in einem Kaufhaus die Sau rauslassen wollen?

Zombies sind einfach die perfekten Opfer. Man kann mit ihnen anstellen, was auch immer man will. Niemand hat Mitleid mit ihnen. Und niemand sagt: »Hey, das kannst Du doch nicht machen!«

Wie würde sich eine Z-Apokalypse made in Germany von einer US-amerikanischen unterscheiden?

Andreas Kohn: Der größte Unterschied wäre wohl das fast völlige Fehlen von Schusswaffen. Es ist eine Sache, einem Zombie aus sicherer Entfernung eine Kugel in den Schädel zu jagen. Aber eine völlig andere, ihm im Nahkampf eine Eisenstange von unten durch den Kiefer zu rammen. Viele Menschen, ich schließe mich da ein, würden deshalb vermutlich an ihren Skrupeln zu Grunde gehen.

 

Nach einem derlei aufschlussreichen Interview fühle ich mich so sicher wie noch nie: Sollte sich eines Tages in der Tat eine Zombieapokalypse ereignen, weiß ich jetzt schon, mit wem ich mich zwecks Überleben vereinen würde. Dafür vielen lieben Dank an M.J. Colletti, P.G. Connor, Alexander. C. Christian, Dennis Kazek und Andreas Kohn.

 

 

 

 

 

5 thoughts on “Faszination Zombie

  1. Hi. Mein Name ist Nikolai Brendle und ich habe im Februar ebenfalls einen Zombieroman „Seelenlose Heimat“ (1), herausgegeben.
    Mein Roman spielt in Deutschland und ich denke, es ist wahrlich sehr viel schwieriger hier zu überleben, als in Amerika. Die großen Freizonen der Natur fehlen hier einfach. Wie es klappen könnte, beschreibe ich…
    Man findet mich auf fb….

    1. Hi Nikolai!

      Freut mich, dass es dich gibt. 🙂 Hätte ich es vorher gewusst, hätte ich dich möglicherweise in dieses Interview miteinbezogen.

      LG

      Schauerfee

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