Fantasy oder Horror?

Wo verläuft die Grenze?

Fantasy oder Horror?

 

Diese Frage beschäftigt die Menschheit bereits seit Jahrtausenden. Nö, Quatsch! Es ist anders: Seit Jahrtausenden beschäftigen sich Menschen mit dem Verfassen von Geschichten mit fantastischen Thematiken. Geister, Dämonen, Zwerge, Drachen, rachsüchtige Götter oder dunkle Magier – sie alle sind Bestandteile der ältesten uns bekannten Überlieferungen, deren hoher Unterhaltungswert selbst die moderne Kulturlandschaft prägt.

Erst vor wenigen Tagen habe ich einen jungen Mann erleben dürfen, der sich vehement darüber empörte, dass der Film „Frau in Schwarz“ als Horror bezeichnet werde. Seines Erachtens müsse der Streifen dem Fantasygenre zugeschrieben werden. „Na klar“, dachte ich zuerst. „Es ist doch eine klassische Schauergeschichte, in der es um eine ruhelose Seele geht. Was ist daran bitte Fantasy?“  Hierbei erlaube ich mir die Freiheit, die letzte Instanz zu spielen und unverschämt zu behaupten, meine Aussage sei die korrekte(re). Doch wo hört eigentlich Fantasy auf und Horror beginnt? Dies zu definieren erweist sich als gar nicht so einfach.

Kobolde z. B. gelten als feste Komponente der Fantasybranche. Mythologisch gesehen gehören sie zur „niederen Mythologie“ und damit zu den Elben. Ist doch ziemlich eindeutig, meine Damen und Herren! Aber was passiert mit einem Kobold, der sich in eine Stephen-King-Geschichte verirrt?

Oder mit einem, der sein Gold zurückwill und jeden, der ihm dabei in die Quere kommt, brutal eliminiert?

Und was macht man mit Drachen, die das typische Drachenmilieu plötzlich aufgeben und sich wie in einem gängigen Tierhorrorfilm verhalten? Ist „Herrschaft des Feuers“ nun eher ein Fantasy- oder ein Horror-Movie?

Feen sind im Fantasygenre fest verwurzelt. Eine besondere Feengattung – die Zahnfee – fühlt sich aber im Gruselgefilde heimisch. Der Mythos von der Zahnfee fußt möglicherweise im Mittelalter. Weil man damals glaubte, böse Geister oder Hexen konnten durch die Inbesitznahme von Haar, Fingernägeln oder Zähnen eines Menschen die Macht über ihn erlangen, verfütterte man diese zwecks Abwendung des Unheils an die Tiere. Wie daraus eine Fee entstanden ist, entgeht meiner bescheidenen Logik, scheint aber wohl genauso gewesen zu sein.

Wo bin ich stehengeblieben? Ach, ja! Zahnfee und Grusel.

In Don’t be afraid of the Dark verarbeitet Guillermo del Toro den Zahnfeemythos auf seine ganz eigene, groteske Weise. Wer den Streifen noch nicht kennt, sollte das schleunigst beheben – es lohnt sich!

The Haunting of Helena beschäftigt sich mit derselben Thematik und stellt mehr oder minder einen italienischen Zwilling von del Toros Werk dar. Beide Filme sind wohlgemerkt nichts für diejenigen, die ungern zum Zahnarzt gehen.

Horrorwesen sind aber auch nicht zwingend an das Genre gebunden. Im Contemporary-Fantasy-Epos Harry Potter treffen wir auf Werwölfe, Todesser und Dämonen; in Mio, mein Mio begegnen wir dem dunklen Ritter Kato, der mit seiner eisernen Klaue Herzen herausreißt, um sie durch einen Stein zu ersetzen; in Mittenachtszirkus spielen zwar Vampire mit, der Film erfüllt jedoch sämtliche Voraussetzungen eines Urban-Fantasy-Streifens.

Also sind die Grenzen zum Glück fließend. Gut so!

 

 

 

 

3 thoughts on “Fantasy oder Horror?

  1. Ich finde stupides Genre-Denken ebenfalls anstrengend.

    Wenn ich ein Review schreibe, ist es ein notwendiges Übel, um dem Leser eine Idee zu geben, wohin die Reise geht, aber ich finde es furchtbar, wenn Leute darüber streiten, ob z,B. Pans Labyrinth nun Horror, Drama oder Fantasy ist, statt sich einfach über einen guten Film zu freuen. Oder ob Alien nun SciFi oder Horror ist…um Himmels Willen, was ist, wenn beides zutrifft?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.