Warum gibt es so wenige deutschsprachige Horrorautoren?

Ist es Euch auch schon aufgefallen?

Warum gibt es eigentlich so wenige deutschsprachige Horrorautoren?

 

Diese Frage beschäftigt mich schon lange.

Wer kann überhaupt auf Anhieb 5 deutschsprachige Schriftsteller, die sich dem Horror-Genre widmen, nennen? Ich meine wirklich ganz sporadisch und ohne Google zu fragen.

Mir persönlich fallen nur Torsten Sträter, Wolfgang Hohlbein und (bedingt) Heinz Helle ein.

Vom Herzen glaube ich, dass es in Deutschland/Österreich/Schweiz weder an Talenten noch Nährboden mangelt. Auch inspirierende Quellen sind ausreichend vorhanden: malerische Friedhöfe, gotische Kathedralen, Natur (denkt doch an die Gemälde von Caspar David Friedrich!), geschichtliches Geschehen, Mythologie. Was ist denn letztendlich mit dem uns hinterlassenen Erbe von Goethe, Preußler oder Brüder-Grimm?

Es gab und gibt im modernen deutschsprachigen Raum ausreichend wohlbekannte Maler, Grafiker, Musiker, die sich der gruseligen Seite des Daseins widmeten/widmen.

Zum Beispiel H.R. Giger, Anna-Varney Cantodea, Stefan Heilemann, Joachim Luetke, Gottfried Helnwein, Rammstein… Warum klappt’s denn nicht mit dem Schreiben? Wo ist der Haken?

Gibt es für den Grusel etwa keinen Abnehmer?

Dann wüsste ich nicht, warum die Bücher von Stephen King, Joe Hill oder Dean Koontz stets erfolgreich verkauft werden.

Gibt es keine guten Autoren?

Das kann ich nicht glauben. Sie werden nur nicht berühmt.

Liegt das etwa an den Verlagen?

Wird Horror vielleicht immer noch als das reine Nischenprodukt gehandhabt? Wollen die Verleger sich die Finger nicht schmutzig machen? Kein Risiko eingehen?

Ich denke, genau dort liegt auch der Hund begraben oder der Hase im Pfeffer – je nachdem, was der liebe Leser bevorzugt.

Es ist wie in der Politik: Niemand tut etwas für uns aus freien Stücken. Wir alle haben unsere Rechte, nutzen sie jedoch leider zu selten, fordern zu wenig.

Nachfrage schafft Angebot – Faustregel!

Und wisst Ihr was? Ich möchte mit Euch einen Deal schließen.

Wie wäre es, wenn Ihr bei dem nächsten Besuch der Buchhandlung Eures Vertrauens einfach mal nachfragt? Fragt nach deutschsprachigen Horrorautoren. Macht Euch kundig, lasst nicht locker.

Let’s make horror great again! (Der Spruch hat bereits einen Vierzigmeterbart, aber was soll’s?)

Und ich freue mich über Eure Gedanken und Anregungen zu diesem Thema.

Bis zum nächsten Beitrag

 

Eure Schauerfee

20 thoughts on “Warum gibt es so wenige deutschsprachige Horrorautoren?

  1. Ich möchte ebenfalls gerne meine Erfahrungen als Horror-Erstlingsautor zum Besten geben:

    Im August letzten Jahres habe ich den ersten Teil einer in Deutschland situierten, dreiteiligen Zombie-Dystopie-Serie als E-Book und Taschenbuch auf Amazon veröffentlicht. Da ich ebenfalls das Gefühl hatte, dass das Horror-Genre von Verlagen noch immer als Nischenthema gehandelt wird, habe ich mich auf Anhieb fürs Selfpublishing entschieden. Seitdem kümmere ich mich im Alleingang um das Marketing meines Buches.

    Wenn mich Menschen nach dem Thema meines Buches fragen, ziehen sie oft die Augenbrauen hoch und erwarten vor allem anspruchslose Klischee-Ware. Nachdem sie dann mein Buch gelesen haben, höre ich oftmals „Das ist ja ganz anders, als ich es erwartet habe!“ und erhalte super Rezensionen. Es scheint von Leserseite also eine gewisse vorurteilsbelastete Abneigung gegenüber dem Horror-Genre zu bestehen.

    Weiterhin bemerke ich beim Marketing immer wieder, dass es schwierig ist, Visibility für das eigene Werk zu erzeugen. Laut einigen Studien sei der Großteil der Buchblogger weiblich, dasselbe scheint auf Social-Media-Kanälen wie Instagram zu gelten. Natürlich sind unter eingefleischten Horrorfans auch viele Frauen. Und da die Protagonisten meines Erstlings ebenfalls Frauen sind und der Plot sehr anspruchsvoll (kein Splatter-Roman) ist, erhalte ich viel positives Feedback von der weiblichen Leserschaft, worauf ich sehr stolz bin. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass ich die männliche Leserschaft kaum erreichen kann, da diese sich nicht wirklich auf Buchblogs herumtreiben. Noch dazu finde ich nur selten solch toll gemachte und einschlägige Horror-Blogs wie deinen, weshalb mir auch die inhaltlich passenden Plattformen fehlen, um Visibility zu erzeugen.

    Wie machst du deine Geschichten bekannt?

    LG, Alexander C. Christian

    1. Horror wird wegen des angeblichen Schmuddelcharakters hierzulande oft umetikettiert. Dann wird aus Grusel sehr schnell ein Mytery-Drama oder ein Thriller. Gar Fantasy. Das finde ich sehr traurig, denn es diejenigen, die wirklich auf der Suche nach gutem Horror sind, in die Irre führt.

      Mir persönlich fehlt es ebenso negativ auf, dass es zu wenige deutschsprachige Horrorblogs gibt. Vor allem zu wenige, die nur ansatzweise brauchbar wären. Jedenfalls, danke ich dir fürs Kompliment.

      Die Statistik zu den Geschlechtern der Buchblogger ist mir nicht bekannt, aber erfahrungstechnisch würde ich auch sagen, dass es stimmt, dass die meisten weiblich sind. Meine Leserschaft ist aber hauptsächlich männlich. Zumindest der Teil der Leser, der sich erkenntlich macht.

      Hast du eine Leseprobe da? Dann könnte ich dir vielleicht sagen, warum dein Buch den Damen so gutgefällt.

      LG

      Alla

    2. Ach ja! Die Vermarktung!

      Ich bin in mehreren Autoren- und Lesergruppen auf Facebook aktiv, auch in einigen Gruppen und Communities für Horror- und Metalfans. Mundpropaganda darf man nicht unterschätzen. Ich möchte mich demnächst unbedingt mit Google+ beschäftigen und auch ein YouTube-Video auf die Beine stellen.

      https://www.whicee.com ist auch eine gute Plattform für Blogger.

      1. Ist mir auch schon aufgefallen, dass sich Horror oftmals als Subgenre von Fantasy finden lässt, was der Sache aber einfach nicht gerecht wird.

        Als Leseprobe kann ich dir den „Blick ins Buch“ auf Amazon empfehlen, der ist ziemlich lang ausgefallen:

        https://www.amazon.de/Biting-Erster-Menschlichkeit-Dystopie-Deutschland-ebook/dp/B01J83P8RY/ref=tmm_kin_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1495617154&sr=8-1

        Whicee werde ich mir mal anschauen. Danke für den Tipp!

        Hast du denn bereits einen YouTube-Channel? Kenne mich da nämlich ein bisschen aus.

        1. Danke für den Link. Ich werde mir die Leseprobe schnellstmöglich reinziehen. 😀

          YouTube-Channel habe ich noch keinen. Inwiefern kennst du dich damit aus? Gerne auch über PM.

          LG

  2. Ich melde mich dann auch mal als Horrorschreiber zu Wort.
    Ich schätze mal, daß die nicht besonders stark ausgeprägte Horrorkultur in Deutschland viel mit unserer Geschichte zu tun hat. Vor dem zweiten Weltkrieg wurden hierzulande noch Klassiker wie Nosferatu, Das Kabinett des Dr. Caligari, usw. produziert – nach den realen Gräueln hingegen gab es doofe Wirtschaftswunderkomödien und Heimatfilme. Und spätestens seit der Gewaltvideokampagen in den 80ern hat Horror so ein negatives Image, daß sich nur noch Amateurfilmer wie Ittenbach rantrauen.
    Literarisch sieht es ähnlich aus: Goethe und Schiller haben wir es zu verdanken, daß gequälte Seelen bestenfalls verhalten seufzen dürfen. In fünfhebigen Jamben. Das hat trotz E.T.A. Hoffmann und anderen schwarzen Romantikern dazu geführt, daß deutscher Horror bestenfalls in leicht schundigen Heftromanen (Dämonenkiller & Co.) oder Fanpublikationen stattfindet, weil Schmerz, Wut und Leid nicht gut zu den meiner Ansicht nach ein wenig verlogenen gehobenen ästhetischen Ansprüchen des durchschnittlichen Bildungsbürgers passen. Dazu braucht man sich nur das Theater ansehen, das einige empörte Rezensenten mit meinem ersten Buch veranstaltet haben. Es wurden auf Amazon persönliche Anfeindungen vorgetragen, die nichts mit dem Buch sondern mit meinem politischen Engagement gegen Rauchverbote zu tun hatten, man unternahm den Versuch, das Buch durch einen Indizierungsantrag vom Markt zu nehmen, zuletzt wurden sogar Leute bepöbelt, die das Buch mit mehr als einem Stern bewerteten. Und das obwohl ich das Ganze eher als FSK-16 konzipiert hatte (ne Handvoll eklige Szenen, aber alles eher satirisch).
    King und Hohlbein haben es durch ihre gut funktionierende Vermarktungsmaschinerie jedenfalls deutlich leichter als ein schwäbischer Selfpublisher.
    Da Horror aber nicht nur ein Genre, sondern ein Lifestyle ist, hat man – wenn man sich einmal dafür entschieden hat – trotz des eher ungünstigen gesellschaftlichen Klimas gar keine andere Wahl mehr, als trotzdem fleißig zu lesen, Filme zu schauen und immer wieder selbst was aufs Papier zu bringen. Immerhin geht es im Horror um die existenziellen Dinge im Leben.

    1. Hey Alex! Schön, dass Du hier bist! (Das hört sich ja an wie bei Anonymen Alkoholikern…)

      Hättest Du eventuell einen Link zu deinem Buch? Würde mich echt interessieren, weswegen die Menschheit sich schon wieder aufregen musste.Hehe.

      Und Du liegst völlig richtig: Als Horrorfan kann man sich nicht so leicht einem anderen Genre widmen. Wer seine Seele einmal an Grusel verkauft hat, schreibt nicht so schnell einen Krimi oder eine Liebesschnulze.

      Wir brauchen definitiv eine bessere Vermarktung – raus aus der Schmuddelecke, raus aus der Nische.

      Goethe, Dante oder Bulgakow konnten doch nicht allesamt so flaschliegen?

      1. Hm, Goethe lag aber auch nicht immer richtig:

        „Und wenn nun eure Kinder dichten,
        Bewahre sie ein gut Geschick
        Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten.“
        (Den Vereingten Staaten)

        In seiner Braut von Korinth oder auch im Faust hat ihn das „gut Geschick“ glücklicherweise nicht bewahrt, sonst hätten wir ein paar schöne Literaturklassiker weniger. 😀

        Meinen kleinen Einzelhandels-Grusler gibt es hier: https://www.amazon.de/Die-Gute-Dame-Alexander-J%C3%A4ger-ebook/dp/B01D9XI2CM/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1493570031&sr=8-1&keywords=j%C3%A4ger+gute+dame

  3. ich bin mehr splatter als horror. nekrophile, kannibalen, rabiate abtreibungsärzte, fäkalfetisch und behindertenschänden und so…

    1. Eigentlich ist es überhaupt nicht meine Welt, aber es gibt etwas, was ich Dich gerne fragen möchte.

      Solche Werke erfordern doch eine bestimmte Wortwahl, nicht wahr? Wie schaffst Du das, ohne vor Ekel selbst umzufallen? Hehe… Ist jetzt keineswegst abwertend gemeint. Ich persönlich könnte so etwas gar nicht zum Ausdruck bringen.

      Wo ist eigentlich Dein Limit?

    1. Hey Jana!

      Schön, dass Du hier bist!

      Die Namen sind mir mittlerweile wohlbekannt. Jedoch erst nach einer umfangreichen Recherche. Einfach so stolpert man leider nicht darüber. Insider-Wissen halt..

  4. Ich habe erst ein Roman im Fantasy Genre veröffentlicht, aber an Horrorgeschichten hatte ich bisher noch nicht gedacht, aber könnte es mir durchaus vorstellen. Mal sehen vielleicht versuche ich es.

    1. Hast Du einen Link zu deinem Fantasy-Roman?

      Horror und Fantasy vervollständigen sich in manchen Werken auf eine sehr harmonische Weise. Wie z.B. in S. Kings/P. Straubs „Der Talisman“ oder in Kings „Der Dunkle Turm“.

  5. Ich bin eine Autorin die das Genre Horror liebt. Die Nachfrage ist nicht unbedingt so hoch. Gerade nicht bei Neulingen. Besonders in der Zeit als Liebesromane mehr in sind. Aber ich bleibe dabei, denn ich liebe es in der Horrorwelt literarisch zu leben. Was kann schöner sein, als seine Feinde von Zombies fressen zu lassen.

    1. Liebe Carry,

      ich stimme Dir zu. Es ist die größte Freude eines jeden Horrorautors, diejenige, die man im realen Leben nicht sonderlich mag, in seinem Werk „hinter dem Horizont“ verschwinden zu lassen. Eine seltsame, aber gut wirkende Art der Psychotherapie.

  6. Hallo Schauerfee,
    per Zufall bin ich auf deine schaurig-schöne Seite gestoßen. Für mich als Autorin von in erster Linie historischen Erzählungen und eines historischen Romans wurde das Thema Schauer/Horror/Grusel Anfang des Jahres aktuell, da ich von einem Verlag angefragt wurde, ob ich mir vorstellen könne, für eine geplante Anthologie eine solche Geschichte zu verfassen. Ich sagte sofort zu und habe dann angefangen zu recherchieren. Eben auch nach entsprechenden Autoren… und fand genau das heraus, was du oben beschreibst.

    Die Anthologie, für die ich meine Geschichte geschrieben habe (hat übrigens riesigen Spaß gemacht!) wird im Herbst unter Beteiligung von vier deutschsprachigen Autoren (genaugenommen stammen wir alle aus dem Westerwald) erscheinen. Die Geschichten haben außerdem einen regionalen Bezug zu unserer Heimat, dem Westerwald. Das habe ich beim Schreiben als besonders spannend empfunden – eine Gegend, in der ich zu Hause bin, mal völlig anders darzustellen ;-).
    Vielleicht möchtest du bei Gelegenheit Ausschau danach halten…. der Erscheinungstermin ist auf Oktober datiert.

    Liebe Grüße, Michaela

    1. Liebe Michaela,

      zuallererst freut es mich sehr, dass du den Weg hierher gefunden hast.

      Und ja, Horrorautoren im deutschsprachigen Raum sind eine Seltenheit. Leider. Gute Autoren sind noch seltener. Die meisten scheitern am Wunsch, ihre Leser mit zu viel Brutalität und Blut zu überraschen. Da kann ich die Verlage sogar ein wenig verstehen.

      Dein Projekt werde ich auf jeden Fall mit großem Interesse verfolgen und hoffe, dass wir im Kontakt bleiben.

      Deine Website finde ich übrigens auch sehr ansprechend gestaltet.

      Liebe Grüße

      Schauerfee

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