Kann man in Deutschland als Autor/in mit Migrationshintergrund Fuß fassen, ohne dabei die landestypische Sparte zu bedienen?

Autoren mit Migrationshintergrund

Als Autor in der Branche Fuß fassen, ohne dabei die landestypische Sparte zu bedienen

 

Ich liebe Deutschland und ich liebe deutsche Sprache. Seit nunmehr 11 Jahren lebe ich hier und frage mich immer öfter, welche Kultur mir mittlerweile näherliegt: die hiesige oder die meines Heimatlandes? Inzwischen habe ich deutsche Gesellschaftsstrukturen so verinnerlicht, dass ich mir gar nicht vorstellen könnte, meine Geschichten in einer anderen Sprache zu verfassen oder sie generell vom deutschen Boden zu entfernen.

Ich gehöre hierher und nähre mich in erster Linie von der Atmosphäre dieses Landes.

Es macht mich allerdings nachdenklich, dass hierzulande nur sehr wenige Autoren mit nicht deutschen Wurzeln, die nicht ihre jeweils herkunftstypische Sparte bedienen, verlegt werden. Eine Diskriminierungskeule zu schwenken ist immer leicht. Dies will ich auch auf gar keinen Fall tun, aber ich persönlich kenne kaum welche.

Ich möchte gerne verstehen, woran es liegt: Sind das die Autoren selbst, die sich bewusst in die Zuwandererecke drängen, um ihre Identität somit zu unterstreichen, oder sind es die Verlage, die etwas Anderes einfach nicht publizieren?

Nationalkulturelles Kolorit ist eine schöne Sache, wenn es wohldosiert verwendet wird. Aber ich habe es langsam satt, wieder und wieder über Kriege, Fluchtursachen, ethische und traditionelle Differenzen, Repressionen oder Zwangsheirat zu lesen.

Nach zahlreichen Recherchen konnte ich in Deutschland keinen einzigen Horrorautor mit Migrationshintergrund entdecken. Ganz ähnlich sieht es mit Science-Fiction und Fantasy aus. Wer gerne Frauenromane liest, wird wohl auch kaum über einen nicht deutschen Namen stolpern.

Natürlich geht es Autoren nicht zuletzt um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Jeder lenkt das Interesse der Leser auf sich wie er kann und aus diesem Grund kommt dann die Exotik-Schiene zum Vorschein. Zugegeben, es funktioniert. Aber muss das denn wirklich immer sein?

Ich persönlich würde unglaublich gerne von einem deutschen Roger Zelazny oder Isaac Asimov hören.

Was denkt Ihr über dieses Thema?

 

Eure Schauerfee

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.