Die Haut des Autors

Lass die Leute reden

Die Haut des Autors

 

Eine dicke Haut sollst du dir zulegen, wenn du ein Schriftsteller werden willst, sagt man. Haut, so dick wie die eines Nashorns, sodass die kleinen Giftstacheln der bösen Worte nicht zu deinem Inneren vordringen können.

Bisher ist es meine schwierigste Aufgabe gewesen.

Ich bin zwar eine Horrorautorin, mein Herz befindet sich jedoch nicht auf einem Friedhof unter einem schweren, bemoosten Grabstein. Ebenso wenig habe ich es an den Fürsten der Finsternis verkauft. Noch nicht. Wir verhandeln aber.

Jeder Autor/Autorin weiß, wie es ist, wenn das geliebte Baby, an dem man unzählige Stunden gearbeitet hat, plötzlich von jemandem mit dem Taktgefühl eines Zombies „kritisiert“ wird. Warum Anführungszeichen? Weil die Kritik in solchen Fällen eher einer nuklearen Vernichtung gleicht. Und das tut weh.

Hiermit will ich keineswegs behaupten, dass wir Autoren nicht kritisiert werden dürfen. Gut gemeinte, konstruktive Kritik weiß ich persönlich überaus zu schätzen. Sie ist sehr hilfreich und lässt einen tatsächlich besserwerden.

Wogegen man sich aber wappnen soll, sind Anfeindungen, Kleinredereien, Kälte, Beleidigungen. Sie kommen immer, sobald man mit seinem Werk aneckt, nicht in die engstirnigen Rahmen der „Normaldenkenden“ passt.

Irgendwann ganz am Anfang, lange bevor ich mit meinem Blog an den Start gegangen bin, habe ich auf einer Party ein reizendes Fräulein kennengelernt – eine Kunststudentin, die selbst kreativ unterwegs gewesen ist. Wir kamen ins Gespräch über dies und jenes und ich offenbarte ihr, dass ich eine schriftstellerische Kariere bestrebe. Darauf bat sie mich, ihr doch bitte etwas von meinen Storys zuzuschicken. Dies tat ich. Wochenlang wartete ich auf ein Feedback, das nicht kam. Ich habe nachgehakt. Daraufhin schrieb sie Folgendes: „Ich habe noch nie eine Geschichte gelesen, die nicht von einem Profiautor geschrieben worden ist. Und ab jetzt werde ich das auch nie tun. Sorry, vielleicht habe ich keine Ahnung und es muss so sein, aber du sollst noch etwas üben.“

An diesem Tag heulte ich im Badezimmer. War wütend. Wollte alles hinschmeißen. Habe es dann doch nicht getan. Und meine Haut wurde ein wenig dicker. Warum? Weil ich wusste, dass der Weg, den ich mir ausgesucht habe, der richtige war.

Seitdem ist einiges an Zeit den Bach heruntergeflossen. Ich habe viele unelegante Äußerungen geerntet und dennoch überlebt. Es war nicht immer einfach, doch mittlerweile habe ich eine regelrechte Dissresistenz entwickelt. Man kann den Menschen nicht den Mund verbieten, aber man kann es sich aussuchen, auf welche Stimmen man lieber hört: auf die, die es gut meinen, oder auf die anderen. Zum Glück überwiegen in meinem Leben momentan die ersteren.

Dafür ein Dankeschön.

6 thoughts on “Die Haut des Autors

  1. Es kommt immer darauf an, vom wem die Kritik kommt. Ich habe ja auf Amazon auch einiges einstecken müssen – allerdings ist zumindest in zwei Fällen leicht ersichtlich, daß die betreffenden Rezensenten ein Problem mit mir als Person haben und von Genreliteratur nicht allzuviel verstehen. Das ärgert dann kurzfristig, vor allem wenn wegen sowas der Umsatz stockt, aber Selbstzweifel bekommt man davon keine.
    Außerdem habe ich speziell im Internet die Erfahrung gemacht, daß nur sehr wenige Menschen in der Lage sind, eine Kritik zu verfassen. Entweder bleibt es bei im Grunde genommen wertlosen subjektiven Äußerungen („ich finde das lustig / eklig / spannend / langweilig /…“), oder es wird zum Ausdruck gebracht, wie sich der betreffende Rezensent den Text gewünscht hätte (was ja auch nur eine Sache der subjektiven Erwartungshaltung ist). In beiden Fällen reden die „Kritiker“ also eher von sich und ihrer Vorstellung, wie ein gutes Buch oder Film aussehen sollte, als über das Werk – für einen Künstler ist das bestenfalls dann von Interesse, wenn er darauf abzielt, die größtmögliche kommerzielle Schnittmenge zu bedienen, ansonsten kann einem das im Grunde genommen hinten vorbeigehen. Wen juckt’s schon, was Amazonkunde „xyz“ über seinen individuellen Geschmack zum Besten gibt?

    Konstruktive Kritik von Leuten mit Sachverstand hingegen kann teilweise schmerzhaft, aber auch sehr lehrreich sein. Wobei man auch hier zwischen Erbsenzählerei der Marke „wieso kann Michael Myers autofahren?“ oder der grundlegenden Analyse, weshalb eine vermeintlich gute Idee erzählerisch nicht funktioniert, unterscheiden muss.

    1. Deine Amazon-Story kenne ich ja zum Teil. Shit happens…

      Und du hast absolut recht, indem du sagst, dass Kritik und Meinungsäußerung zwei grundverschiede Sachen seien. Ich persönlich würde zum Beispiel nie ein Buch ernsthaft rezensieren, weil ich einfach nicht die Kompetenz der Objektivität besitze. Alles, was ich im Rahmen dieses Blogs schreibe, trägt einen völlig subjektiven Charakter und ich betone es so oft wie es nur geht. 😀

      Konstruktive Kritik, die dazu gesprochen wird, um dem Autor beim Wachstum zu helfen, nehme ich immer dankend an, denn sie ist Gold.

  2. Kritik sollte immer konstruktiv sein! Wenn aber selbst das als Beleidigung oder sogar „Trollen“ angesehen wird, so wie es mir schon ein paarmal ergangen ist, gibt man es auf. Die Zeit ist einfach zu schade. Daher lese ich nur noch, mach mir meine Gedanken, aber äußere sie so gut wie nie.

    1. Ist auch der richtige Weg. Es gibt Leute, deren einzige Lebensaufgabe darin besteht, alles auf der Welt scheiße zu finden. Da kann man nur auf Durchzug schalten.

  3. Das ist auf jeden Fall etwas, an dem ich auch noch arbeite. Interessanterweise ist es aber so, dass „die Leute“ total nett sind, was meine Geschichten und das Geschreibe anbelangt. Das „schlimmste“, was bisher kam, war lediglich Desinteresse.
    Also: Das Problem sind nicht sie – sondern ich.
    Und letztendlich ist das doch irgendwie immer so.

    Danke für die Einsicht! – Viele sind ja auch einfach nur neidisch, bzw. man weckt mit seinem Tun die unbewussten Wünsche?

    Beste Grüße und weiterhin viel Erfolg!!!

    Runa Phaino

    PS. Horror klingt interessant. Muss unbedingt mal was von Dir lesen, bevor Du Deine Seele verkauft hast. Endgültlig. 😉

    1. Liebe Runa (Heißt du wirklich so? Interessant!),

      Neid ist unter Menschen (und insbesondere unter Autoren) auch ein großes Thema. Aber lass uns positiv bleiben. 😀 Wir wissen ja, was und wofür wir machen.

      Ich hoffe, das Lesen meiner Storys bereitet dir Spaß und eine gute Unterhaltung.

      Liebe Grüße

      Schauerfee

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