Autoren – neidische Wesen

Autoren – neidische Wesen

 

Neid ist in meinen Augen der boshafteste aller Charakterzüge. Er ist wie einer von diesen Insektiziden: Auch wenn man selbst nicht direkt davon betroffen ist, spürt man seine Auswirkungen auf Umwegen.

Jeder wird mal neidisch. Ich kenne niemanden, der nicht schon mal das Auto seines Arbeitskollegen besser fand als das Eigene, oder dass das gleiche Kleid an einer Freundin vorteilhafter aussieht als an einem selbst. Solche Gefühle sind aber alltäglich und nicht weiter schlimm.

Schlimm wird es, wenn man anfängt sein Wohlbefinden vom Erfolg oder Misserfolg anderer Menschen abhängig zu machen. Und darin sind Autoren die wahren Meister!

Auf allen Ebenen –  Amateure oder Profis – wird beneidet, was das Zeug hält. Jede Publikation, jeder Verlagsvertrag, jede Preisverleihung wird argwöhnisch beäugt und niemand gönnt dem Anderen auch nur einen ausgetrockneten Popel!

Ich spreche mich selbst auch nicht frei von solchen Verhaltensmustern. Wie oft habe ich mich selbst dabei ertappt, dass ich eine Leseprobe/einen Beitrag eines anderen Autors lese, nur um dabei herauszufinden, ob er schlechter oder besser (aber hoffentlich schlechter!) ist als ich?

Diese Handlungsweise ist Gift! Das Konkurrenzdenken ist in jedem von uns dermaßen stark ausgeprägt, dass wir immer öfter gar nicht merken, dass wir zu loben verlernen.

Was kann man machen, um Neid zu vermeiden, oder zumindest zu minimieren? Naja, zuallererst sollte man wenigstens so tun, als sei man nicht neidisch. Ja, so einfach ist das Rezept!

So habe ich auch angefangen. Darauffolgend habe ich mir nach und nach angewöhnt, das Positive an den anderen Autoren zu sehen, ihnen Gutes zu sagen, ihre Posts zu liken. Aus eigener Erfahrung kann ich Euch sagen, dass es guttut.

Wer am Ende die Rechtschreibregeln am besten beherrscht oder seinen Spannungsbogen am intensivsten aufbaut, den Längsten hat und so weiter, ist unwichtiger als der berühmte Sack Reis in China.

Der Leser entscheiden, wer seiner Zeit würdig ist und seine Auswahlkriterien unterscheiden sich von denen der Autoren erheblich. Als Leser ist man weit weniger kritisch. Als Leser möchte man einfach genießen, mit dem Flow der Geschichte schwingen. Der Leser möchte unterhalten werden und schert sich einen feuchten Kehricht darum, um was wir, Autoren, uns zanken.

17 thoughts on “Autoren – neidische Wesen

  1. Ich weiß nicht, ob ich da wirklich so eine Seltenheit bin, aber Neid ist mir ehrlich gesagt ein Fremdwort. Ob jemand ein schöneres Auto fährt, anstatt meiner einen Verlag findet, ein schöneres Haus hat … who cares? Ich muss aber zugeben, dass ich mich des Öfteren über „Erfolge“ wundere, bei denen ich mich frage, wo da die Leistung liegen soll. Ganz exemplarisch sind da die sogenannten „Youtuber“, die mit bekloppten Videos irrsinnige Klickzahlen und damit Geld generieren. Aber … meine Güte, dann können die das eben, was solls 🙂

    1. Was Youtuber angeht, war ich anfangs auch skeptisch, aber nachdem meine Tochter angefangen hatte, sich dafür zu interessieren, musste ich mich mit diesem Thema – gewollt oder nicht – auseinandersetzen. Überraschenderweise stellte ich fest, dass sehr viele von ihnen tatsächlich viel Talent und Geschäftssinn mitbringen.

      Es gibt aber auch durchaus gehirnamputierte Individuen. Aber was soll’s? Wenn es funktioniert – dann mit Gesang und nach vorne!

  2. Die Schauergeschichten vom neidischen Autor/Künstler kann ich aus vierzig Berufsjahren nicht bestätigen. Ich kenne Kollegen, die viel Respekt vor der Arbeit anderer haben und dies auch zum Ausdruck bringen. Natürlich findet man nicht alles toll, was andere produzieren. Es gibt viele Genres und Herangehensweisen. Jeder strebt dabei danach, seinen unverwechselbaren Stil zu finden und diesen auszubauen.

    Neid in Form von Hass-Rezensionen (wie sollte er sich sonst äussern?) sind mir erst im Web 2.0 begegnet und dort auch nur unter Hobbyautoren, die aufgrund mangelnder Erfahrung und Sachkenntnis recht undistanziert dem eigenen Werk gegenüberstehen.

    Ich würde deshalb bei diesem Thema deutlich zwischen Profis und Amateuren differenzieren.

    1. Lieber Herr Frieling,

      vierzig Jahre Erfahrung ist natürlich eine Menge Zeit! Ihr Durchhaltevermögen hätte ich gerne. 😀 Wer weiß, vielleicht sind Sie eine dieser glücklichen Ausnahmen, eine Person, die stets von respektvollen und anerkennenden Menschen umgeben ist.

      Die Attitüde, die ich bisher im Autoren-Milieu kennengelernt habe, gefällt mir jedoch nicht sonderlich. Manchmal hat man das Gefühl, in einem Schlangennest zu sitzen. Nicht viel anders sieht es auch im Musik-Bereich aus.

      Ich für meinen Teil habe gelernt, mit meinen eigenen Gefühlen umzugehen und hoffe, auf dem richtigen Weg zu sein.

      Mit freundlichen Grüßen

      Schauerfee

      1. Jeder muss seinen Weg finden und seinem Stern folgen.

        Von Menschen mit negativer Strahlung würde ich mich dabei jedoch fernhalten. Missgunst steckt an, macht krank und beschädigt das eigene Werk. Es gibt auch viele positive Menschen, denen es sich zu folgen lohnt. 😉

        1. Meinen Freundeskreis habe ich vor nicht allzu langer Zeit bereits ausgemistet. Hat gutgetan. 😀

          Was ich aber tatsächlich sehr interessant finde (zurück zu meinem Beitrag), ist Folgendes: Warum behaupten plötzlich so viele Leute, dass sie mit dem Neid nichts gemein haben? Freigang in der Heiligenanstalt? ;D

          Es ist ein bisschen wie mit Sarrazins Werken – niemand gibt zu, sie zu lesen. Die Frage ist aber: Wieso landet er dann einen Bestseller nach dem Anderen?

          1. »Ein freier Mensch«, schreibt der deutsche Philosoph Hegel, »ist nicht neidisch«. Vielleicht ist das Gefangensein in der eigenen Unfreiheit der Grund für Neid und Missgunst???

            PS: »Freigang in der Heiligenanstalt« ist gut! 🙂

          2. Als ich noch ein Kind war, habe ich zum Geburtstag ein Buch bekommen, das ins Deutsche übersetzt „Wie der Mensch zu einem Riesen wurde“ hieß.

            Die ersten zwei Sätze des ersten Kapitels lautete annähernd so: „Frei sein wie ein Vogel – wünschen wir uns das nicht alle von Zeit zu Zeit? Aber wie frei ist ein Vogel tatsächlich, gefangen im Käfig seines Lebensareals?“

            Diese Worte haben mich damals zu einem langen Nachsinnen gebracht. Auch heute noch hallen sie in meinen Ohren nach.

            Ich denke, dass nichts und niemand vollkommen frei sein kann. Unsere Kunst ist nicht frei, denn unsere Moralvorstellungen bändigen uns. Unsere Gedanken sind auch nicht immer fessellos, weil jeder (außer man ist ein Soziopath) einen unsichtbaren Gesetzeshüter im Kopf hat, der sofort laut aufschreit, wenn die Gedanken eine unvertretbare Wende nehmen.

            Jeder von uns ist ein Gefangener. Daher könnten Sie mit ihrer Aussage sehr wohl Recht haben.

  3. Bei mir ist diese Eigenschaft zwar nur bedingt vorhanden, aber ich glaube es liegt einfach in der Natur der Sache, sich mit anderen zu messen und dann zu denken, dass man doch eigentlich besser ist. Wenn ein Maurer ein Haus sieht, denkt er vermutlich auch, dass das scheiße gemauert ist und generell hält sich jeder erstmal für den Allergrößten, in dem was er tut. Aber ist das wirklich eine so schlechte Sache? Wenn wir alle bei jedem geschriebenen Wort anderer Autoren denken würden „ach du kacke, ist das gut, so gut werde ich nie werden, das ist unmöglich, dass jemand so gut schreiben kann und ich erst recht nicht, alle Hoffnung ist verloren, ich gehe mich besaufen und mir im Rotlichtmilieu eine ansteckende Krankheit holen, weil ist ja eh scheißegal, ich fabriziere eh nur Müll den keien Sau jemals lesen wird“ dann würden wir wohl alle nichts mehr zu Papier kriegen.
    Am Ende gilt ohnehin nur eins: Keiner kann so schreiben wie du. Also bist du der/die beste in dem, was du schreibst.

    1. Hey, Marcel!

      Maurer motzen sowieso nur noch. Hehe! Aber das, was Du gerade beschreibst, ist kein Neid. Es ist eine Bewunderung. Solange man sich selbst und die anderen mit seinen Emotionen nicht vergiftet, ist alles in Ordnung.

      Und bitte bloß keine ansteckenden Krankheiten aus Frust aus dem Rotlicht-Viertel mit nach Hause schleppen. 😀

      Anyhow: Ein großes Like.

      1. Bewunderung und Neid liegen in dem Fall vielleicht recht nah beieinander. Sobald man dann in die Abgründe des „warum hat der Sack Erfolg und ich nicht?“-Abgründe absteigt, steckt man schließlich mittendrin.
        Wie weit das generell verbreitet ist, weiß ich natürlich nicht, weil ich mich mit sowas nicht befasse. Mir sind halt alle anderen erstmal scheißegal und ich konzentriere mich auf mich. Aber natürlich gibt es durchaus Situationen, wo ich denke, dass das ein Grund für Neid sein kann. Die „50 Shades“ Tante, mit ihren Kackbüchern, bestehend aus einem Wortschatz, den man an einer Hand abzählen kann, wäre so ein Beispiel. Wenn ich an einen Verlag ein Manuskript senden würde, die würden es ablehnen und anschießend so eine Kacke raushauen, wäre ich wohl auch neidisch. Aber vielleicht kann das ja auch eine gute Auswirkung haben. Im Sinne von „Jetzt zeige ich euchs erst recht, ihr Affen.“

        1. Shit, Mann!

          Warum passiert das immer wieder, dass jedes Gespräch über Literatur früher oder später auf „50 Shades of Grey“ hinausläuft?

          Ich persönlich mag das Buch nicht, kann aber nachvollziehen, warum es so beliebt ist.

          Es ist wie ein Märchen: eine einfache Sprache, gepaart mit einer modernen Cinderella-Story, verfeinert mit einer Prise Erotik, ergeben eine perfekte Mischung für müde Hausfrauen und junge Mädchen, die auf einen Prinzen warten. Und sollte der Prinz auf Bondage stehen – naja, was soll’s? Man nimmt das, was man bekommen kann. Wenn man einmal verheiratet ist, wird die Majestät halt einfach umerzogen.

          Happy end.

          1. Ich kann auch nachvollziehen, warum es erfolgreich ist. Es ist sogar absolut logisch, dass es erfolgreich ist, weil es eben den simpelsten Regeln folgt und die simpelsten „Gelüste“ anspricht. Also Peitschen, Pussys und Moneten. Ist halt nur ein gerne genommenes Beispiel, deshalb hab ich das jetzt mal gewählt. Mir ist die Frau scheißegal. Kann von mir aus Trilliarden damit verdienen. Ist halt nur doof, wenn jemand sich wirklich Mühe gibt, ein gutes innovatives Manuskript zu schreiben und dann scheitert, weil diese hingerotzte Grütze sich eben besser verkauft. Das Leben ist nicht fair und so. Aber hat ja vorher auch keiner gesagt, dass es das ist. Also drauf scheißen und weitermachen.

            Ich wurde nebenbei bisher mit all meinen Geschichten abgelehnt. Die Welt ist scheinbar einfach nicht bereit für meine Genialität. Oder besser gesagt den Schwachsinn, den ich fabriziere. Und ich habe aus dem oben genannten Grund nicht nachgeschaut, welche stattdessen dann veröffentlicht wurden. So lässt sich Neid ganz gut umgehen.

          2. Marcelchen,

            ich habe Deine Sachen zum Teil gelesen und bin sicher, dass Du früher oder später einen passenden Verlag finden wirst. Du machst es gut.

            Ich selbst habe noch keinen Verlag kontaktiert. Zuerst möchte ich meine beiden Romane beenden. Drück mir die Daumen. 🙂

            Scheiß auf die langweiligen BDSM-Tanten!

          3. Vielen Dank. Ich mache eh mein Ding. Ich strebe ohnehin an, meine Kreativität eher zu „streuen“, sage ich mal. Also unterschiedliche Dinge testen. Verlage, Selfpublishing, Comics, Filme etc. Gibt ja jede Menge Möglichkeiten heutzutage, sich da zu verwirklichen.

            Romane sind immer eine ganz eigene Kerbe. Da habe ich auch schon einen „fertig“. Daumen sind also gedrückt.

  4. Ich suche mir bewusst erfolgreichere Autoren heraus, um zu erfahren, was und wo ich besser werden kann. Zwar kann ich nicht jeden Erfolg nachvollziehen, aber ich bin grundsätzlich kein neidischer Mensch. Trotzdem ist der Beitrag ganz nett und einige werden sich sicherlich auf den Schlips getreten fühlen.

    Liebe Grüße und schöne Ostern!

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